82 Aargauische Kloster-Aufhebung.
ein geistlicher Beamteter der Nuntiatur; das Kloster Wett in gen hielt offene Tafel.Es machte das Kloster Einsiedeln, im K. Schwyz, Geldsendungen, um katholischeLandleute auch anderer Bezirke zu werben. Dessen ungeachtet erschienen nur die fanatisirtenNachbarschaften der Klöster zahlreich; die Abtei Muri lieferte Roß und Wagen. Wasschon in früherer Mellinger Volksversammlung gefordert worden, ward hier wiederholt.Die Katholiken des Frickthales hingegen, in großer Versammlung zu Stein (30. Nov.),verwarfen schlechthin alle Zumuthungen kirchlicher und politischer Trennung des Kantons.Adressen ähnlichen Inhalts gelangten selbst aus den Bezirken von Baden und Brem-gacten an den großen Rath. So blieb die Meuterei und Aufreizung nur auf einen klei-nen Theil des katholischen Volkes und nur in den Umgegeflden der stillthätigen Klösterbeschrankt.
Dies schreckte jedoch die Führer und Treiber der für Rom und Klosterinteressen auf-geweckten Partei nicht, sondern regte ihre Leidenschaft nur wilder auf. Man drohte sogaroffen Gewalt und Aufruhr. Waffen und Kriegsbedürfnisse wurden heimlich herbeige-schafft; öffentliche Gebete zur Rettung der katholischen Religion von Priestern gehaltenund noch dazu gedruckt ausgetheilt, während man verschiedener Orten jetzt auch schon an-fing, Beiträge für die Jesuiten zu sammeln. Der Briefwechsel der aargauischen Ab-teien mit Klöstern anderer Kantone ward belebter. Eilboten flogen auf den Landstraßenher und hin. Ruhige Bürger, oder solche, welche sich gegen Scheidung des katholischenLandestheiles vom protestantischen ausspcachen, wurden, als Abtrünnige und Ketzer, vonVerwünschungen und Drohungen verfolgt. Die Bedrohten bildeten zur Aufcechthaltunggesetzlicher Ordnung und eigener Sicherheit, unter oberamtlichem Gutheißen, an einigenOrten Schutzvereine. Die Regierung ließ die Mitglieder des Büntzner Glaubenscomite'sVorbescheiden, vor den Folgen ihres Versuches ernstlich warnen und verantwortlich erklären.Das fruchtete wenig. Man versprach sich zur Auflösung des Aargaues in einen protestan-tischen und katholischen Theil Beistand der rein katholischen Stände der Eidsgenossenschaft.
Die Mönche der Abteien Muri und Wettingen traten, inmitten dieser Unruhen,nirgends persönlich als Theilnehmer hervor. Aber die weltlichen Führer ihrer Angelegen-heit blieben nicht ohne Weisung. Zwei derselben, Hauptpersonen des leitenden Ausschusses,der Eine als Arzt, der Andere als Advocat der erstgenannten Abtei, standen in deren Sold.Auf solche Weise blieb, was inner der geweiheten Mauern berathen wurde, verborgen.Kein Vorwurf konnte und sollte die frommen Väter treffen, wie immerhin der Ausgangder Dinge, glücklich oder unglücklich, werden mochte. Scheu und furchtsam in ihren Zellen,wissen die Gottgeweihten durch ihr Wort gewöhnlich Andere zu ecmuthigen, mit kalter Lei-denschaft Leidenschaften Anderer in Glut zu setzen und, ohne Schwärmer zu sein, zur wil-desten Schwärmerei zu begeistern.
Zum andernmal mußte der Entwurf des revidirten Staatsgrundgesetzes (am 5 Jan.1841) dem Volk des Aargau's vorgelegt werden. Er ward diesmal mit großer Mehrheitder Abstimmenden unter öffentlichen Freudenbezeugungen angenommen. Nicht also inden Umgegenden der Klöster; denn die dort mit Ungestüm verlangte konfessionelle Tren-nung, die Unabhängigkeit der Klöster u. s. w. war vom großen Rath unbeachtet geblieben,festgestellt hingegen, daß jeder der fünfzig Wahlkreise des Kantons, nach Maßgabe seinerBevölkerung, Abgeordnete in den erneueren großen oder gesetzgebenden Rath zu wählen habe.
Vom Augenblick an, als'das Ergebniß der allgemeinen Abstimmung bekannt gewor-den war,erscholl wilder Lärmen, zuerst in den Dörfern des Bezirks Muri, dann auch inden Bezirken Bremgarten und Baden, selbst in einigen Dörfern des paritätischen Be-zirks Zurzach. Die fanatisirte Menge pflanzte Freiheitsbäume, als Zeichen des Auf-standes, in den Gemeinden auf. Volkshaufen, zum Theil von Wein und Branntewein be-rauscht, schwärmten umher. Boten liefen, nach allen Richtungen ausgesandt. Aufruhr-schriften wurden in Wirthshäusern, auf öffentlichen Plätzen und vor den Kirchen verlesen.Der dirigirende Glaubensausschuß saß, nahe bei Muri, in Büntzen, berathschlagend bei-sammen. Nur seinem Befehl, nicht mehr den obrigkeitlichen Behörden, ward Gehorsamgeleistet.
Die Regierung, von den frechen anarchischen Bewegungen unterrichtet, sandte eines