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der Staatswtffenschaft und ihrer Thetle.
Vergleichungseiner besonderen Bestandtheile und Verhältnisse, durch logische Zu-rückführung derselben auf das ihnen zu Grunde liegende, in ihnen sich of-fenbarende und sie verbindende Allgemeine dieses Letztere zu finden. Sie sucht,vonden Folgesätzen rückwärts schließend, zu gemeinschaftlichen höchsten Grund-sätzen zu gelangen. So sucht sie die naturgesetzlichen und historischenGr u ndg e se tz e,wiedie an er kannten höchsten Vernunftideen und Zweckeder Völker zu finden.
II. Die besondere Schwierigkeit der richtigen Auffassung der Grnndprincipiender StaatSwiffenschaft wegen ihrer verschiedenen Seiten und Theile und wegendes heutigen verderblichen Streites der politischen Theorieen und Parteien.
Ist es schon für die sichere glückliche Auffassung und Behandlung einer jedenWissenschaft wesentlich, vor Allem ihre besondere Natur, Quelle und Methodeund ihre wahren selbstständigen höchsten Grund/ätze stets richtig ins Auge zufassen, so ist dieses besonders wichtig und schwierig bei'der Politik an sich undinsbesondere bei der Politik in unserer heutigen Zeit. Der Gegenstand derStaatswissenschaft, welche den Alten mit Recht als die Königin aller übrigen Wissen-schaften erschien, ist an sich der reichste, vielseitigste; sie soll die ganze menschliche Culturumfassen, leiten, fördern. Es ist für sie deshalb doppelt wichtig und schwierig, daß sieohne eine gefährliche Grenzverwirrung ihr selbstständiges höchstes Princip richtigauffasse und durchführe. Aber dieses "kann und darf auch nicht einseitig sein.
Es ist wohl unstreitig eine Hauptaufgabe für ein heilsames politisches Wir-ken wie für ein richtiges politisches Urtheil, daß man sich möglichst frei von Ein-seitigkeit halte. Cs ist nothwendig, daß man sich eine Uebersicht des ganzen Ge-biets der politischen Bestrebungen und Theorieen zu verschaffen, sich ihres Mit-telpunktes und wahren Sinns zu bemächtigen und, neben der Ausscheidung desVerkehrten, von selbstständigem Standpunkte aus eine versöhnende Vereinigungdes Richtigen zu finden suche. Für ein so reiches, vielseitiges Leben, wie dasdes freien und kräftigen Staates einer gebildeten Nation, bedarf es an sich schonverschiedenartiger Elemente und Richtungen. Zugleich wird diese Verschiedenartig-keit durch die verschiedenen geschichtlichen Verhältnisse und Entwicklungsperiodendieses Lebens und durch die schon daher entstehenden verschiedenen Theorieen vondemselben begründet.
Wenigeres, als man denk-t, ist absolut gut oder schlecht. Außer dem un-eigennützigen Streben nach dem erkannten Höchsten und der Heilighaltung vonWahrheit und Recht, mit entschiedener Verwerfung der Lüge und der schlechtenMittel, und außer wenigen hierauf und auf die Grundgesetze der menschlichenNatur gegründeten einfachen Wahrheiten ist namentlich in der Politik sehr Vielesnur heilsam oder schädlich durch die Verhältnisse. Hier ganz besonders geltendie Worte, welche der Pater Lorenzo in Romeo und Julia in Beziehung aufdie heilsame Kraft seiner Kräuter ausspricht: „In Laster wandelt sich die Tugendfalsch geübt." Und daran wird zu allen Zeiten auch in der Politik der Meistersich zeigen, daß er zugleich die bleibenden einfachen Grundgesetze und den Wech-sel des Zeit- und Verhältnißgemäßen sicher erkenne, das Unwandelbare unerschüt-terlich festhalte, das Wandelbare aber mit Leichtigkeit zeit- und verhältnißge-mäß gestalte.
Wer, der geistesfrei in die Welt und die Geschichte blickt, wird nicht aner-kennen, daß auch verschiedenartigen politischen Richtungen ebensowohl, wie frei-lich oft Selbstsucht und Lüge und ein böses Princip, doch selbst in schädlichereinseitiger Gestaltung noch etwas Wahres zu Grunde liegen kann! Wie man-cher Anhänger einer antiliberalen Richtung mag wirklich, bei aller Fehlerhaftig-keit, bei aller Unverhältnißmäßigkeit derselben für unser Deutschland —welcheskeineswegs am Uebermaß der Freiheit leidet — doch von dem guten Glaubenausgehen, daß sie nothwendig sei zum Schutze der Festigkeit, der Ordnung und