XXIX
zur neue» Auflage.
kräftigt und vermehrt werden müsse, während die verkehrten konserva-tiven Maßregeln und Rathschläge sie schwächen und mindern, sie verblendeterWeise in einer Zeit schwächen, wo die blos niederen Machtmittel, den endlich er-wachten Völkern gegenüber, täglich kraftloser werden. Dennoch sucht man nur inihnen, auf Kosten der moralischen Kräfte, die Rettung. So verkehrt verfährtman in einer höchst gefährlichen Entwicklungszeit, gefährlicher noch für unseredeutschen Fürstenhäuser, als für das Volk. Besser geeinigte und durch allgemeineFreiheit gekrästigte Völker mögen weniger erschrecken vor dem ersten europäischenKriege, als wir. Sie können auch, wie England, an sich stärkeren Drohungen desCommunismus und Pauperismus und der religiösen Unzufriedenen mit Kraft undSicherheit begegnen. Aber was bürgt denn uns in Deutschland dafür, daß nichtso-, wie jüngst in dem schlecht geeinigten Königreich der Niederlande, bei irgend ei-ner selbst nur moralischen Erschütterung, eine plötzliche Alliance der politischen,der kirchlichen und socialen Opposition einen ähnlichen Umsturz bewirke!
Ich sage also, die moralische Macht und Autorität des Königthums muß ver-mehrt und gekräftigt werden, wenn es bestehen soll in den Stürmen der heutigenZeit. Oder wird man leugnen wollen, daß jene Macht und Autorität sehr ge-schwächt wurde?
Sie ist es unstreitig, soweit man unter Fürstenthum und monarchischem Prin-cip, so wie meist unsere konservativen, das absolute, mit einer wahrenstaatsbürgerlichen Repräsentativverfaffung unvereinbare Fürstenthum versteht.Dieses Fürstenthum entstand in Deutschland und andern germanischen Staatenlediglich durch vorübergehende Zeitverhältnisse. Es sollte die durch Faustrecht undFeudalanarchie, zum Lheil auch durch die Hierarchie bedrückten und zersplittertenVölker von diesen Nebeln befreien und wieder vereinigen. Dazu war es wohlthätigund von den Völkern so anerkannt. Es war, da es an sich allen Grundlagen derdeutschen Cultur widerspricht, eine blose Uebergangsperiode (s. unten deutscheGeschichte), welche mit jenen vorübergehenden Zeitverhältnissen zu verschwindenbestimmt war. So mußte es denn auch wirklich bei allen freien germanischenVölkern den Zurückforderungen ihrer allgemeinen staatsbürgerlichen Rechte welchen.Wegen eines thörichten Widerstandes aber wurde es meist durch Revolutionen be-seitigt, durch die schweizerischen, die englischen, niederländischen, französischen, nor-wegischen, belgischen, spanischen und portugiesischen.
Die Schwächung der moralischen Kraft und Autorität dieses absoluten oderdespotischen Fürstenthums war unvermeidlich, und vollends seit der französischenWeltrevolution unheilbar. Die Hauptgründe der unheilbaren Schwäche sinddie folgenden.
Es hatte fürs erste'mit dem Wegfallen seiner Entstehungsgründe, es hattealso mit der Wiedervereinigung der Staaten und mit dem Sturz der feudalari-stokratischen wie der hierarchischen Macht seine Nothwendigkeit und Wohlthätigkeitund seine Grundlage und Hülfe in der Zuneigung und Unterstützung des Volksfür dasselbe verloren. Diese Zuneigung und Unterstützung des Volks aber wurdenihm um so wesentlicher, je mehr an die Stelle zuerst der Feudal- und dann derSöldnerheere die Nationalheere traten. G
Es widerspricht ihm fürs zweite der zur Freiheit erwachte Geist der euro-