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10 (1848) [Not - Pra]
Entstehung
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486
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4^6 Parteien.

när sich äußerte, daß 6 Jahre hernach die Majorität des Volkes in der Abstimmung sie fürunwürdig erklärte, fernerhin als Staatsprincip an der Spitze der Verwaltung zu stehen.Der Held dieser Periode war Bluntschli, ein Professor, der wohl auf den Einfall gerathenkonnte, das herrschende Regicrungssystem zur Theorie zu erheben und einen neuen, einen„liberal-conservativen" Doctrinarismus in dem Schweizer-Athen zu gründen. FriedrichRohmer, der alle Eigenschaften eines literarischen Parteigängers besitzt, war der rechteMann zu diesem Unternehmen, er verstand cs wie Keiner, aus den bestehendenZuständen eine Wissenschaft zu machen. Diese „Wissenschaft" hatte vorAllem zwei Aufgaben zu lösen: einmal mußte sie den Hauptgegner des herrschenden Regi-ments, den Radicalismus, zerschmettern, sodann aber kam es darauf an, die in Zürichfactisch herrschenden Regierungstenckenzen auf eine innere Nothwendigkeit zurückzuführen,als ein politisches Postulat wissenschaftlich sie zu begründen. Rohmer hat seine Aufgabegelöst, die Schrift über die 4 Parteien konnte von ihrem Standpunkte aus nicht besseraussallen, denn Rohmer ist Meister in der Kunst, das vorhandene Material für seineZwecke zu benutzen. Seine Schrift ist die geistreichste Apologie jenes gewissen. Etwas, dassich in der Politik „liberal-conservativ" nennt.

Die Bestätigung dieses Urtheils über die Rohmer'sche Theorie im Allgemeinen ent-hält ihre specielle Charakterisirung der einzelnen Parteien. Ein gedrängter Ueberblick überdieselbe mag dies beweisen. Rohmer beginnt mit dem Radicalismus, indem er ihn und dieLebensstufe des Knaben parallelisict. Der Knabe ist vor Allem ausgezeichnet durch denGeist des Widerspruchs, er opponirt mit oder ohne Grund; dieser Geist, „der stets ver-neint", diese Opposition um der Opposition willen, ist in Glaube und Wissenschaft, inKirche und Staat der Grundzug des Radicalismus. — (Dagegen ist vor Allem zu bemer-ken, daß jener Geist des Widerspruchs, ein Sohn der Kritik, der Skepsis, keineswegs demKnabenalter, sondern dem Jünglingsalter angehöct und Nichts weiter bezeichnet alsdas Mistrauen des erwachten Selbstbewußtseins gegen die Autorität der Traditionen. Inder Politik ist der Vorwurf der Opposition um der Opposition willen, der systematischenOpposition, Nichts weiter als ein Stichwort im Parteikamps, denn eine Partei kannschon in ihrem eigenen Interesse nicht ohne Grund opponiren, so lange aber ein Grundvorhanden, ist sie zur Opposition berechtigt.)

Der Knabe ist ferner beweglich, liebt Wechsel und Veränderung bis zur Leidenschaftund hat eine krankhafte Sehnsucht, erwachsen zu sein. „Neuerung und Fortschritt" sindauch die Loosungsworte des Radicalismus, allein die Neuerung ist nicht Reform, siekommt aus dem Triebe des Wechsels, und der „Fortschritt" ist nur der Drang des Fort-schritts, indem das Kind laufen oder fliegen möchte, ohne erst wirklich gehen zu können.Alle Formen des Radicalismus sind unreif in sich, ungehalten und auf lockeren Grund ge-baut; alle wollen ernten, ehe sie recht gesaet; alle haben sich überstürzt in sich selbst, wiedie französische Revolution, oder sie haben sich aufgegeben, wie Joseph II. sich aufgebenmußte. (Rohmer hätte indes erfahren können, daß z. B. der Radicalismus in Bern inJahresfrist reifere und wirksamere Reformen nur allein in der Gesetzgebung gemacht hatals der Conservatismus vor ihm in mehreren Jahrhunderten; Rohmer wird auch zugeste-hen, daß ferner derselbe Radicalismus in Bern auf viel festerem Grund gebaut ist als derConservatismus im ganzen übrigen Europa. Rohmer weiß endlich recht gut selbst, daßnach der französischen Revolution nicht der Radicalismus, d. h. sein Princip, sich über-stürzt hat, sondern daß der von der Despotie so lange aufgestaute Strom der Demokratie,als er die Dämme durchbrach, nothwendig seine Ufer überschwemmen mußte, und Jo-seph II. mußte sich aufgeben, nicht weil er„radical", sondern weil er,)radicaler" Autokratwar, weil er durch „radikale" Reformen mit absolutistischen Staatsformen in Collisionkam.) — Der Knabe ist ferner, so lange er in seinem Kreise bleibt, sehr brauch-bar; am rechten Platz, wo es gilt, die Schranke der Convenienz zu durchbrechen, den Gangzu beschleunigen, zu reizen, zu stacheln, zu rühren, zu kritisiren) so ist auch der Radicalis-mus trefflich geeignet, zu opponiren, wenn er vom Kreise einer untergeordneten Kritikaus die Sünden des Absolutismus verfolgt, den Gang des Conservatismus beschleunigt,den Weg des Liberalismus erleichtert; aber unfähig zu regieren, unheilbringend und