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10 (1848) [Not - Pra]
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Oesterreichische Provinzen. Böhmen.

venvolke, solche Gelüste erwachen. Wohl ist die neue unglückliche Schilderhebung, dieein Theil der Polen !m Frühjahre 1846 versuchte, mit leichter Mühe niedergeschlagenworden. Aber so sehr rächt sich fort und sort jene unselige, unkluge und unsittliche Poli-tik, die den deutschen'Großmachten das Schwert zur Vernichtung des unglücklichen Polens in die Hand gegeben hatte, daß lselbst die Unterdrückung jeder neuen Aufwallungdes polnischen Nationalgefühls nur der russischen Uebermacht zu gut kommt. Dennnicht die polnische Nationalität in den Provinzen unter deutscher Herrschaft wird dadurchvernichtet, sondern nur unter den Polen selbst wird jene schon vorhandene Partei vergrö-ßert werden, die nicht mehr im Kampfe, sondern nur in Verbindung mit Rußland aufdie Herstellung einer wenigstens relativen Unabhängigkeit ihres Vaterlandes hofft. Dannwerden sich auch alle westslavischen Sympathieen für Polen mehr und mehr mit Rußlandaussöhnen. Und wenn erst Dieses den vielleicht schon lange gehegten Plan einer großar-tigen Politik auszuführen suchte; wenn es, seiner Suprematie über die kleinen, mannig-fach verschiedenen und gesonderten Slavenvölker versichert, die Initiative zur Gründungeines panslavischen Staatenbunds ergriffe, worin die katholische Confession der Westsla-ven wenigstens ihre zeitweise Anerkennung fände dann könnte sich nur allzu leicht einegewaltige Bewegung bis zu dem vorgeschobenen Volke der Czechen, bis in die Mitte desöstlichen Deutschlands fortpflanzen.

Gegen diese drohende Gefahr giebt es nur ein Mittel, die in einem freienöffentlichen Leben dem böhmischen Volke fort und fort zum Bewußtsein ge-brachte Ueberzeugung, daß es die volle Befriedigung seiner Interessen in einer bleibendenVerbindung mit Deutschland finde und nur in dieser Verbindung finden könne. Aufdiese Politik weist auch die nähere Betrachtung des böhmischen Sprachenkampfs hin.Die eifrigsten Vertreter des Czechenthums sind bei Weitem nicht Alle geborne Slaven,sie gehören zu großem Theile dem deutschen Stamme oder doch in dem Maße der deut-schen Bildung an, daß Viele von ihnen der slavischen Landessprache nicht einmal mächtigsind. Dies ist wohl Beweis genug, daß die slavische Bewegung in Böhmen keine reinnationale ist, daß sich vielmehr hinter den Klagen über angebliche Zurücksetzung des Sla-venthums eine allgemein böhmische Opposition gegen ein jetzt noch herrschendes politischesSystem verbirgt, das der freieren Entwickelung aller Glieder der österreichischen Monarchievielfach hemmend entgegentritt.

Durch die gewaltsamen Maßregeln nach der Schlacht am weißen Berge war esgelungen, das böhmische Volk, welches schon zu Anfang des 15. Jahrhunderts einerneuen Zeit die Fahne der Reformation vorangetragen und sich später in seiner Mehrheitdem Protestantismus zugeneigt hatte, wieder zu einem streng katholischen Volke zumachen. Allein die Mittel zur Wiederherstellung der Herrschaft der römisch - katholischenKirche können in diesem Lande nicht vergessen und trotz allen Wandlungen der Zeit kannjener mächtige Geist, der einst die Hussitenkriege entflammte, nicht ganz erloschen sein.Von dieser Ueberzeugung scheint auch die Politik der dem Jesuitismus doch schon so sehrverfallenen österreichischen Regierung auszugehen. Wenn nach der Restauration desJesuitenordens Böhmen noch zu den Provinzen der österreichischen Monarchie gehört, indenen die Gesellschaft Jesu wenigstens keine öffentliche Anerkennung gefunden hat, sowill man wohl historische Erinnerungen schonen und nicht von Neuem die endlich vernarb-ten Wunden gewaltsam aufreißen. Würde doch die ausdrückliche oder die stillschweigendgeduldete Einführung der Jesuiten, dieser erbitterten Gegner einer der ruhmvollstenPerioden der czechischen Geschichte, dieser vandalischen Zerstörer der glänzendsten Denk-male der czechischen Literatur, gerade mit den neuerwachten Regungen des Volksgefühlsim schneidenden Widerspruche stehen. Auch weisen noch Symptome aus jüngster Zeitdaraufhin, daß die alte Neigung der Böhmen für Reformen im Gebiete der Religionund Kirche nicht völlig verschwunden ist. Der Stifter einer schwärmerischen Secte imI. 1815, Thomas Pöschel, stammte aus dem böhmischen Orte Horicz. Noch vorKurzem vernahm man, daß trotz aller Wachsamkeit die Schriften der deutsch-katholischenDissidenten bei der böhmischen Gränzbevölkerung Verbreitung fanden und daß Anhängerder religiösen und kirchlichen Reform aus Böhmen nach Schlesien ausgewandert sind.