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10 (1848) [Not - Pra]
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Oesterreichische Provinzen. Böhmen.

schärfer hervoctretende Gegensatz eines wachsenden Proletariats mit einer übermächtigenund überreichen Aristokratie der Grund - und Fabrikherren ^). Darum vernimmt manwiederholte Klagen über die gesunkene Moralität des Landvolks und die steigende Zahl derDiebstähle.

Im Zusammenhangs mit der Zunahme seiner landwicthschaftlichen und mehr nochseiner industriellen Production ist die Bevölkerung Böhmens, das im Jahre 1786 erst2,813,075 Einwohner zahlte, bis zum Jahre 1844 auf 4,467,129 gestiegen; wovon2,131,727 dem männlichen und 2,325,393 dem weiblichen Geschlechts angehörten. Diejährliche durchschnittliche Zunahme in den letzten drei Jahren war nicht weniger als53,301, also etwa 13,000 auf die Million. Das Verhältniß der Geburten zur Popula-tion ist 1: 26. Die mittlere Dichtigkeit war 1818 erst 3444, 1837 schon 4602 und1839 4676. Am stärksten bevölkert sind der Bidczower und Königgrätzer Kreis mit nahe6000, am schwächsten der Budweiser Kreis mit nicht ganz 3000 Einwohnern auf derQuadratmeile. Böhmen, dessen Hauptstadt Prag gegenwärtig 120,000 Einwohnerzählt, hat die größte städtische Bevölkerung in der österreichischen Monarchie; und zugleichdie meisten Flecken. Im Durchschnitt durch ganz Oesterreich kommt eine Stadt erst ans14,«°, in Böhmen schon auf3,> Quadratmeilen ^).

Nach Abstammung und Sprache beträgt die deutsche Bevölkerung Böhmensnicht gar viel über eine Million (1,146,000 nach Schafarik's slavischer Sprachen-karte), die der slavischen Ezechen (Tschechen) etwas über 3 Millionen; doch dehntsich der westslavische Sprachstamm auch über den größeren Theil von Mährenund einen Theil von Nordungarn aus und mag in diesen Gebieten wohl gegen7 Millionen umfassen. Die früheren Bewohner des Landes, die keltischen Bojer, vondenen der Name Bojerheim, Böheim stammt, waren zu Anfang unserer Zeitrechnungdurch den Deutschen Marobvd und seine Markomannen vertrieben worden. Als nun dieMarkomannen, unter dem Namen der Bajowaren, um das Jahr 400 über die römischenProvinzen Noricum und Rhätien sich ausqebreitet hatten, brachen gegen Ende des 6.Jahrhunderts von Osten her die Ezechen (OLscbowe) in das wohl theilweisc entvölkerteLand. Dieser Stamm ließ sich in der fruchtbaren Ebene der Mitte Böhmens nieder, unddrängte höchst wahrscheinlich die Deutschen nach allen Richtungen in die rauhen und un-fruchtbaren Gränzgcbirge, wo sich die Nachkommen der Markomannen und Quaden zubehaupten und wohl auch in der Folge wieder größeren Boden zu gewinnen vermochten.Hier geschah also Aehnliches wie in Ungarn, als die Magyaren die Donauebenen in Besitznahmen und die slavischen Stämme nach Norden und Süden in die Gebirge trieben.Darum mochte in Böhmen schon im 6. Jahrhunderte der Grund zu der jetzigen deutsch-czechischen Sprachgränze gelegt worden sein, nach welcherdie Deutschen rundherum indas Czechenland hincinsehen"; während die in das germanische Volksgebiel eingedrunge-nen Slaven die Deutschen des Erzherzogthums Oesterreich und Nicderbaierns von denenSchlesiens sondern. Diese Sprachgränze^) steigt von Mähren her bei Königseck undNcuhaus in das Flußgebiet der Moldau herab, dieunit ihren Nebenflüssen im oberenLaufe deutsch ist. Zu letzteren gehören an der Seite gegen Baiern die Quellen der Wot-tawa, in deren Nähe im Prachiner Kreis, wo er an den Klattauer stößt zwischen unge-heuren Waldungen der Gerichksbezirk der im Mittelalter zur Bewachung der böhmischenGränze angesiedelten deutschen Freibauern liegt. Die Gränze hält sich immer in einigerEntfernung vom Böhmerwalde und berührt ihn nur einmal an den Quellen der Radbuza,des einzigen böhmischen Flusses, der bis zu seinem Ursprünge slavisch ist. Dagegen sindalle Wasser, die vom Fichtel-, Erz- und Riesengebirge Herabkommen, auf größere oder ge-ringere Strecken deutsch, wie die Mies bis Pilsen, die Eger bis Postelberg unter Saaz, dieJser bis Rochlitz, die Elbe bis Hohenelbe und Schurz und dann wieder bei ihrem Aus-

3) Näheres über die materielle Production Böhmens s. inOesterreich/'

4) Becher,Statist. Ucbersicht der Bevölkern»« der österreich. Monarchie, »ach denErgebnissen der Jahre 18341840."

ü) B.rgl.Die deutsche Sprachgränze" in derDeutschen Vicrteljahrsschrift" Nr. 27.