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4 (1846) [Deu - For]
Entstehung
Seite
752
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752 Forstwesen.

Procente einbringt als die alsbaldige Fällung und Versilberung, so fordert das Privat-interesse des Waldeigenthümers ihn hierzu auf, und zwar desto mehr, je höher gerade diePreise sind, woraus folgt, daß hohe Holzpreise die pflegliche Behandlung nur bis zu demAlter, in welchem die Holzzinsen mit den Geldzinsen gleichen Schritt halten, von da anaber die Devastation eher noch befördern. Von da an hat der Waldeigenthümer größerenVortheilvon der Devastation als von dem Stehen- und Fortwachsenlassen, selbst dann, wenner auch den Boden nach der Abholzung ganz öde und unbenutzt laßt. Ist nun gar derBoden zur Feld-, zur Wiesen- oder zu irgend einer anderen einträglichen Benutzungsartgeeignet, so muß ihn dies noch mehr zur alsbaldigen Abholzung und Verwandlung in Acker-land , Wiesen oder dergleichen antreiben. Insofern der Vortheil der Nation aus derSumme der Vortheile der Einzelnen besteht, wäre hiergegen Nichts zu erinnern, wennnicht bei jenem einseitigen Wallen des Privatinteresses die Bestimmung der Wälder ver-eitelt, der Nation ein nicht in Geld anzuschlagender Verlust zugefügt und sie überdies dermittelbaren Geldvortheile, welche die Bestimmung der Wälder ihr gewährt, beraubt oderwenn nicht desto mehr Fläche zur Erzeugung derselben Menge von Walderzeugnissen er-fordert würde, je weniger pfleglich der Forstbetrieb geführt wird, so , daß auf der andernSeite die Nation alle die Nutzungen entbehrt, die sie von dem bei pfleglichem Forstbetriebeerübrigten Boden beziehen könnte. Diese Einbuße betragt desto mehr, je geringer derDurchschnittscrtrag desjenigen Alters ist, in welchem der Waldeigenthümer weqen der hö-heren Geldzinsen die Abholzung schon vornimmt. Wenn z. B. der höchste Durchschnittsertragdes Hochwaldes zur Zeit seiner Haubarkeit das Doppelte und Mehr von diesem Durch-schnittsertrag ausmacht (eine keineswegs übertriebene Annahme), so veranlaßt die Bemes-sung der Zeit der Abholzung nach dem einseitigen Privatinteresse des Waldeigenthümerseinen doppelt so großen Verbrauch von productiver Fläche zur Holzzucht, während dasNationalinteresse in den meisten cultivirten Ländern schon des weit größeren Arbeits-einkommens der Landwirthschaft wegen die Beschränkung der Waldungen auf dasMinimum erheischt. Meint man, die an beliebiger Waldausrottung nicht gehindertenWaldeigenthümer würden schon von selbst die Waldfläche auf ihr Minimum reduciren/soläßt sich hiergegen mit Recht einwenden, daß sie dann durch dieselben Motive (wenn auchdie Holzpreise noch so hoch sind) zur Ueberschreitung dieses Minimums veranlaßt werden,und daß dieses Minimum desto größer ist, je weniger Holz darauf gezogen wird, d. h. jeniedriger der Durchschnittserlrag der Fläche ist. Krönke hat in seinem classischen Schrift-chen:Ueber den Werth des Holzes und die Wichtigkeit der Holzersparung" (Darmstadtund Gießen, 1806) diese Verhältnisse zuerst in das rechte Licht gestellt, und Cotta sieebenfalls Seite 262 seinesGrundrisses der Forstwissenschaft" (Dresden, 1832) durcheinige treffende Beispiele verdeutlicht*)- Die Majorität der Erfahrung bestätigt auch,wie wenig das Privatinteresse zur nachhaltigen Waldpflege anspornt, wie sehr es dagegenzur möglichst frühen Versilberung und zur Unterlassung eines angemessenen Wiederanbauesverleitet.Wie groß die nöthige Waldfläche sei, laßt sich nur sehr beiläufig undimmer nur mit Beziehung auf einen gewissen Culturstand veranschlagen. Die Höhe derHolzpreise giebt allerdings einen vorzüglichen Anhaltpunkt, ob im Allgemeinen in einerGegend die vorhandene Waldfläche zu groß oder zu klein sei. Man muß aber in nähereErörterung der Ursachen, der Zufuhr u. s. s. eingehen, man muß ferner unterscheiden, obz. B. der Holzmangel seinen Grund wirklich in Mangel an Waldboden hat, oder nichtvielmehr darin liegt, daß darauf kein Holz steht oder nicht der mögliche Holzertrag gewon-nen wird- Im letzteren Falle ist durch Vergrößerung der Waldfläche nicht zu helfen, son-dern durch Verbesserung der Forstcultur. Mit dem Steigen der Preise steigt auch dasStreben zur Holzersparung; insofern aber jenes Steigen auf dem Steigen der Bevölke-rung, der Gewerbthätigkeit, der Cultur und Productenpreise überhaupt beruht, kann unge-achtet größerer Sparsamkeit doch Bedürsniß und Verbrauch des Holzes sich im Ganzen sehr

*) Wedekind's Berechnungen im 12. Hefte seiner Jahrbücher der Forstkunde (Darm-stadt 1836) liefern zwar günstigere Ergebnisse, beseitigen aber noch nicht die obigen An-stände.