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4 (1846) [Deu - For]
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Finnland.

den begünstigtsten Provinzen des russischen Reichs gehören. Zugleich ist Finnland eineder zuverlässigsten Provinzen. Das Volk ist geschickt, mäßig und ruheliebend. Esist tapfer, doch weder wild noch unternehmend. Es hat gerade so viel Selbstbewußt-sein, daß es nicht rücksichtslos behandelt werden kann; aber doch keinen Durst nachhohen politischen Rechten. Es ist ein Volk, wie eine aufgeklärte Autokratie essich wünschen kann. Aber schon die Lage des Landes, in Bezug auf Schweden undRußland, machte diese Erwerbung zu der wichtigsten, die Rußland nur gelingenkonnte.

Das Großfürstenkhum Finnland hat in seiner gegenwärtigen Gestalt 6403 Qua-dratmeilen, mit 1,400,000 Einwohnern. Es ist ein gebirgiges Land, zugleich vollerSeen und Sümpfe, das man die nordische Schweiz und mit größerem Rechte daseuropäische Canada genannt hat. „Ganz Finnland," sagt ein neuerer Beschreiber,„besteht aus einer flache Granitplatken und Granitgeschiebe bildenden Gebirgsmasse,welche mit zahlreichen Seebeckcn erfüllt und mit ausgedehnten Sumpf- und Schlamm-massen überlagert ist. Nirgends zeigt sich aber eine bestimmte Gebirgsbildung in Kettenund einzelnen Verzweigungen, trotz aller Felsenbildung, so wenig wie es hier wahr-hafte Flußbildung giebt bei allem Reichthum an Gewässern und Seen." (Vergl. Müller,der ugrische Volksstamm. Berlin 1837, 8. Bd. 1. S. 460.) An den umgebendenMeeren meist schroffer Abfall der Felsplattcn zum Meere. Die Seen erhöhen denromantischen Reiz, schaden aber durch ihre häufigen Ueberschwemmungen und, zugleichmit den Sümpfen, durch ihre Ausdünstung, namentlich dem Landbau wie der Ge-sundheit der Einwohner. Eine Regulirung dieser Verhältnisse würde sehr nützlich,aber überaus kostspielig und bei den langen Wintern finanziell nicht gewinnbringend sein.Das Klima ist übrigens in den südlichen Gegenden nicht so rauh, daß nicht die Obst-cultuc, trotz der sieben Wintecmonate noch vorkäme. In den nördlichen Gegendenfreilich beträgt die mittlere Jahrestemperatur nicht mehr als einen halben Grad Wärme,der Winter ist ungleich länger und oft wird das Getreide binnen sechs Wochen gesäetund eingefahren. In vielen Theilen Finnlands blüht der Ackerbau auf ergiebigemBoden; selbst in Sümpfen oder abgesengten Waldstrecken. Gerste, Roggen, Buch-weizen, auch einiger Weizen und Hafer wird erbaut und trefflicher Flachs gewonnen.Finnland besitzt einen großen Reichthum an Waldungen, mit denen aber, sowohlwas den Holzverbrauch als die Benutzung derselben durch Theerbrennen anlangt, sehrverschwenderisch umgegangen wird. Die Wälder wimmeln von Pelzthieren, die demdurch Schneeschuhe beflügelten Jäger eine willkommene Beute bieten, aber zum Theilder Viehzucht schaden. Die Fischerei ist ein Haupterwerbszweig besonders der nörd-lichen Gegenden. Bewohnt wird das Land theils von den eigentlichen Finnländern,theils von den Lappen, ihren verachteten Stammgenossen. Die Elfteren, ein kräftiges,etwas düsteres Geschlecht, von dunkler Farbe, gelblichem Haar und langsamem Wesen;gastfrei, wenngleich dem Fremden nicht leicht entgegenkommend, mäßig, stark undfleißig. Die nördlichen Finnländer gelten für arglistig und sind jedenfalls gewandter' und erfinderischer als ihre südlichenMrüder. Neigung zu Musik und Dichtkunst istüber das ganze Volk verbreitet und die melodische Sprache unterstützt die letztere. Aberauch nordischer Aberglaube ist tief in den Finnen gewurzelt. — Die Lappen, die ihrNomadenleben in den nördlichen Gegenden sortsetzen, sind klein, meist gelblicher Farbe, miteckigem Kopf, vorstehenden Backenknochen, dünnem Bart, aber fest, abgehärtet undgelenkig; dabei nicht bösartig: bei düsterem Aberglauben und melancholischen Zügendoch zum Frohsinn geneigt. Sie leben von ihren Rennthierheerden und ziehen ihrNomadenleben jedem Vortheil der sogenannten Civilisation vor. Dieser selbst, so weitsie bei ihren Nachbarn einheimisch ist, wird ihre Nähe nicht immer günstig. Dennsie haben keinen rechten Begriff für die strengen Grundsätze des Eigenthumsrechtes,und noch nach Monaten frißt keine Kuh von dem Grase, das der Fuß eines Renn-thiers betreten. Uebrigens verdanken die Finnen ihre nicht blos geistige, sondern auchkörperliche Verschiedenheit von den Lappen allerdings ihren civilisirten Gewohnheiten,in deren Folge sie den Eindruck der Kälte durch die Hitze in ihren Wohnungen und