Druckschrift 
4 (1846) [Deu - For]
Entstehung
Seite
730
Einzelbild herunterladen
 

730 Finnland.

Schon König Erich der Heilige unternahm 1156 einen Kreuzzug zur Bekehrung undUnterwerfung der heidnischen Finnen. In Nyland wurden schwedische Colonieen ange-legt- Als die heidnischen Finnen, namentlich die Karelen und Tawasten, in Verbindungmit Jngern und Esthen, fortwährend diese Colonieen beunruhigten, drang der schwedischeJarl Birger von Neuem ein, zwang die Tawasten zur Taufe, unterwarf alles Land biszum Paijäne - See und legte das Schloß Tawastehus an (1250). Die von Finnen be-wohnten Küstenländer des weißen Meeres kamen frühzeitig unter russische Herrschaft.Ebenso hatten die SchwedenJahrh. lang mit den Russen um den Besitz Kareliens, d. i. desöstlichen Finnlands, zu streiten. Oft reizten die Russen die Karelier an, über die schwedi-schen Niederlassungen herzufallen, was die Schweden nur antrieb, ihre Herrschaft festerzu gründen .und durch Erweiterung zu sichern. Deshalb gründete 1 293 der Reichsver-weser Thorkel Knutsvn das Schloß Wiborg und bemächtigte sich Kexholms, welche beidenun die Bollwerke und Schlußsteine der schwedischen Herrschaft in Finnland wurden.Als dritte Schutzwehr ward 1477 Nyslot angelegt. Alles gegen Rußland gerichtet. Jn-deß da Schweden auf diesen Punkten nicht weiter drang, so mußte es zurück. Peter derGroße setzte mit wunderbarer Kühnheit seine Hauptstadt auf einen Punkt, der es ihm undseinen Nachfolgern zur Lebensfrage machte, Finnland mit Rußland zu vereinigen.

Im Frieden von Nystad (1721) faßte Rußland Fuß in Ostsinnland (Karelien), in-dem es die 1710 in Besitz genommenen Plätze Wiborg und Kexholm behielt und Schwe-den von den Ufern der Newa zurückdrängte. Das gleichfalls (l7l4) eroberte Nyslot gabes zwar zurück; aber wenn Rußland eroberte Plätze zurückstellte, hieß es immer nur bisauf gelegenere Zeiten borgen. Schon derFciede von Abo 1743 gab auch Nyslot mit Wil-manstrand und Fciedrichsham in russische Hände. Endlich benutzte Rußland die Gelegen-heit, die ihm die Lage der allgemeinen europäischen Staatshändel darbot, um unter demVorwände, Schweden zum Bruch mit England zu zwingen, 1808 in Schwedisch-Finn-land einzufallen. Es erklärte, daß es Finnland einstweilen in seinen Schutz und Besitznehme, um sich ein Unterpfand auf den Fall zu verschaffen, daß der König von Schwedendie billigen Friedensbedingungen, welche ihm Frankreich, unter Vermittelung des Kaisersvon Rußland, angeboten, von der Hand weisen würde. Den Finnen ward Erhaltungaller ihrer Vorrechte versprochen. Uebermacht und verrätherisches Benehmen einzelnerschwedischer Heerführer brachten, trotz des mannhaften Widerstandes der Mehrzahl derSchweden und Finnen, bald den südlichen Theil von Finnland in russische Hände, undein Manifest vom 1. April erklärte das Großfürstenthum Finnland für einverleibt in dasrussische Reich. Allerdings erlangten die Schweden bald darauf wieder die Oberhand, aberdie fortwährend falschen Schritte des Königs Gustav IV. und die inneren Zwiste führtenneue Unfälle mit sich. Die bald darauf ausgebrochene Thronrevolution in Schweden gabden Russen frischen Spielraum, und obwohl unter der neuen Regierung mit besseremGlücke gekämpft ward, so mußte sie doch den Frieden, der am 17. Sept. 1809 zu Frie-drichsham geschlossen ward, mit der Abtretung des ganzen Finnland, verschiedener Alands-inseln und eines Theiles von Westbothnien erkaufen. Eine spätere Uebereinkunfl vom20. Nov. 1810 regulirte die Gcänzen; eine spätere Zusatzurkunde vom 10. Sept. 1817die Handelsverhältnisse.

So machten die Finnen durch die schwedische Herrschaft den Durchgang zurrussischen. Sie haben der elfteren viel zu danken gehabt. Unter allen ihren finni-schen Brüdern dürften sie leicht am Höchsten in wahrer Gesittung gestiegen sein, amMeisten das germanische Element wahrhaft mit dem ihrigen in und zur Freiheit ver-schmolzen haben. Wie viel segensreicher hat hier die germanische Cultur gewaltet alsin den andern Ostseelanden, wo sie gleichfalls finnische Stämme in ihre Obhut nahm.Aber da herrschte auch eine Form des Feudalismus, wie sie für politische Gestaltungnicht unzweckmäßiger gedacht werden konnte: das geistliche Rittecthum. In Schwedenhat das Feudalwesen sich niemals zum drückenden Joche ausbilden können; das kräf-tige, selbstständige Leben der unteren Volkskreise ward erhalten und trug sich auch aufdie Finnen über. So danken sie es diesen Verhältnissen und dem achtbaren Charak-ter, den sich die Finnen unter schwedischer Herrschaft angeeignet haben, daß sie zu