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Fälschung.
velli. Es war dasselbe nur möglich in der tiefen sittlichen Verderbniß seiner Zeit undseiner Umgebung, vorzüglich der Höfe und der Regierungen, auf welche seine diplomatischeLaufbahn zunächst seine Blicke gelenkt hatte. Es war nur möglich in jener moralischenund politischen Anarchie durch die usurpirte weltliche Oberherrschaft der Hierarchie unddurch die feudalaristokratische Faustrechtsgewalt, kurz vor dem Sturze von beiden und indem von den Fremden mishandelten, mit Blut getränkten, zerrissenen Italien. Hierkonnte jetzt die schwere Verwicklung in die Kämpfe seiner Zeit und Umgebung den ebensoharten und leidenschaftlichen als kräftigen, den in keiner Weise zur Gewissenhaftigkeit er-zogenen Mann irre leiten. Sie konnte es zumal vorübergehend bei dem Niederschreibenjenes berüchtigten Buches „Der Fürst", welches er> herabgestürzt aus früher glänzenderLage, nach überstandener Folter und, wie sein eigener Brief sagt, im Dienste seiner Nvth,in einem moralischen Bankbruch, in der Absicht, die Sonne fürstlicher Gunst des ihmverhaßten Usurpators seines Vaterlandes sich zu gewinnen, schnell schrieb, und mit wel-chem in seinen übrigen Schriften zwar wohl manche frivole Aeußerung, nicht aber die dortseiner gesünderen Ansicht entquollenen politischen Hauptgrundsätze übereinstimmen. Leiden-schaft, Selbstsuckt und Frivolität, halb Ernst und halb Ironie, zugleich der Unglaube andie Macht der Sittlichkeit in den menschlichen Dingen und vielleicht zugleich die eigeneVorspiegelung einer Möglichkeit, sein Vaterland Italien auf dem Wege der List und Ge-walt seiner verzweifelten Lage und seiner Schmach entreißen, es durch verhaßten Despotis-mus zu der ersehnten Einheit und Freiheit führen zu können, und selbst der Reichkhumseines Geistes, welchem blendende Vertheidigung auch des Verkehrtesten leicht wurde —alles dieses mochte zusammenwirken zu dieser von dem leidenschaftlichen Anhänger re-publikanischer Freiheit entworfenen schändlichen Theorie fürstlicher Regierungskunst.Sogar solche Unternehmungen, wie die scheußlichen Meuchelmorde eines EäsarBorgia,welche diesem moralischen Ungeheuer zwar augenblicklichen Triumph, dennoch aber späterden eigenen Untergang bereiten, stellt diese, trotz aller blendenden Ausschmückung, seichteLehre der Treulosigkeit als die Muster fürstlicher Weisheit auf.
lll. In Wahrheit dagegen wird man mit dem königlichen Verfasser des Anti-macchiavelli sagen müssen:„der größte Staatsfehler ist die Unredlichkeit". Man wirdfür die Tüchtigkeit und Kraft der Staaten, der Fürstenhäuser, der Staatsmänner und ihrerUnternehmungen keinen sichereren Maßstab finden, als den, in welchem Grade sie jenemgroßen Erundprincip der Bona Fides oder dem entgegengesetzten huldigen. Je weni-ger noch ein ganzes Zeitalter und eine ganze Nation dem moralischen Verderben anheimgefallen und stumpf und gleichgültig gegen Ehre und Ehrlichkeit geworden sind, und je mehrdie allgemeine Aufklärung den Blick für die Ehrlichkeit oder Unehrlichkeit der Regierungschärft, um so sicherer muß öffentliche Untreue ihren Urhebern verderblich werden. IhrenUrhebern sage ich, gleichviel, ob es die nach Volksfreiheit strebende Partei und die Volks-Wortführer , oder ob es die geistliche oder weltliche Aristokratie, oder ob es endlich die Eabi-nete der Fürsten und die Freunde des Absolutismus wären, welche mit unehrlichen macchia-vellistischen Mitteln, mit List, Lüge und Untreue gegen die rechtmäßige Regierung, gegendie beschworene Verfassung, gegen das gegebene Fürstenwort ihre Zwecke erstrebten.
Bei dem besonderen Hinblick auf unser jetziges Zeitalter aber und auf unsere Nationermuthigt mich wenigstens Nichts mehr zu dem Glauben an den Fortschritt und an denendlichen Sieg des Guten, als meine Zuversicht, daß die gebildete Menschheit, daß unsereNation nicht reif sind für die Herrschaft der Treulosigkeit und Lüge. Ihre Gesinnung istnicht feig und niedrig, ihr Geist und Blick nicht unaufgeklärt und stumpf genug, um irgendauf die Dauer das Unwürdige achten und dulden zu können. Der Blick auf die Naturder Dinge wie die Bildung und Gesinnung unserer Zeit und unserer Nation, so wie derSturz der Throne, die Verwüstung der Völker, die wir selbst mit Augen sahen, sie allealso mahnen laut: „ehrlich währt am längsten".
Wer doch die Kraft besäße, diese so einfache und doch so tiefe und große Wahrheit zurgenügenden allgemeinen Klarheit, zur praktischen Eindringlichkeit zu erheben! Wie unend-lich viel glücklicher als jene in Wahrheit fluchwürdige macchiavellistische Lehre wäre sie sy