760
Hessen vom Jalire 1838 an.
war. Größere Schlußschrift in dieser Sache, und zugleich die wichtigsten Fäden nochmalsprüfend vornehmend war die: „Geheime Inquisition, Censur und Cabinetsjustiz in ver-derblichem Bunde", zu deren Herausgabe und gemeinschaftlichen Bearbeitung sich derVerfasser von Weidig's Tod, vr. Wilhelm Schulz, mit C. Welcher zusammengethan hatte,und deren Erscheinen alsbald im Grofiherzogthum Hessen wieder Verbot, bei Vermeidungder Consiscation und einer Polizeistrafe von 20 Gulden für „jedes weitergegebene Exem-plar", folgte.
Die Volkszählung im December 1843 ergab Folgendes: die Zahl der Einwohner beliefsich auf 834,711, wovon 311,358 auf Starkenbucg, 305,277 auf Oberhessen und218,076 auf Rheinhessen kamen (das Verhältniß der standesherrlichen und patrimonial-gerichtsherrlichen Bewohner zu den Domanialbewohnern ist wie Eins zu Drei). Jede Qua-dratmeile wurde hiernach im Durchschnitte von 5455 (4968) Menschen bewohnt, währendauf die Quadratmeile in Starkenburg 5765, in Oherhessen 4125, und in Rheinhesscn8723 Menschen kamen. Die Einwohner des Großherzogthums theilten sich ihrer Religionnach in 405,4)4 Lutheraner (166,405 in Starkenburg, 237,590 in Oberhessen und1419 in Rheinhessen); 39,661 Reformirte (17,167 in Starkenburg, 16,737 in Ober-hessen und 5757 in Rheinhessen); 150,369 Unirte (28,651 in Starkenburg, 26,553 inOberhessen und 95,165 in Rheinhessen); 209,500 Katholiken (89,499 in Starkenburg,14,717 in Oberhesien und 105,284 in Rheinhessen); 1442 sonstige christliche Confessio-nen, besonders Mennoniten, Waldenser und Jnspirirte (78 in Starkenburg, 521 inOberhessen, 843 in Rheinhessen); 28,325 Juden (9558 in Starkenburg, 9159 inOberhessen, 9608 in Rheinhessen). Nach der neuesten Volkszählung zu Ende 1846, hin-sichtlich der die noch genaueren Ergebnisse bis jetzt nicht bekannt sind, belief sich die Ein-wohnerzahl des Großherzogthums auf 852,679, wovon auf die Provinz Oberhessen310,141, auf Starkenburg 317,093, auf Rheinhessen 225,445 fallen. Die Ver-mehrung der Bevölkerung in den letzten drei Jahren betrug nur 17,968, wobei aber in An-schlag zu bringen ist, daß im nehmlichen Zeitraum ungefähr 9000 Auswanderungen statt-fanden. Der Zusammentritt von Lutheranern und Reformirten in Unirte oder, wie ofsiciell— mit Vermeidung des historisch und vernünftig gleich begründeten Wortes : protestan-tisch — gesagt zu werden pflegt, in eine „evangelisch-christliche Kirche", war seit 1822 viel-fach in Rheinhessen geschehen und hatte in andern Theilen des Landes Nachahmung gefun-den. Deutsch - Katholiken traten seit den Jahren 1845, 1846 und 1847 in Offenbach,Darmstadt, Worms, Alzey, Osthofen, Oppenheim, Mainz u. s. w. zusammen. DieZahl der Jnspirirten in Oberhessen hat sich durch die im Jahr 1844 stattgesundene, vorhinbereits erwähnte theilweise Auswanderung derselben nach Nordamerika sehr verringert.
Im März 1844 starb der Finanzminister von Kopp und wurde späterhin in seinenFunctionen durch einen Präsidenten des Finanzministeriums ersetzt- Am 18. Juli des-selben Jahres sollte die erste allgemeine Versammlung der deutschenAdvocaten „Behufs gesetz-mäßiger Thätigkeit für gemeinsame deutsche Rechts - und Gerichtsverfassung" sein. DerAufruf dazu war aus Würtemberg gekommen, und Mainz, die Stadt der Oeffentlichkeit,Mündlichkeit und Geschwornengerichte, zum Orte deren Abhaltung auserlesen. DieMainzer Anwälte schlossen sich dem Gedanken an, und die großherzoglich hessische Re-gierung gab die Erlaubniß zur Ausführung derselben. Die Sitzungen sollten öffentlichsein — wie konnte es auch anders ? Da ergingen von Baiern, Preußen und KurhessenVerbote zum Besuchen des Anwalttags. Indessen hielt man doch an der Sache fest, bisdas Verlangen der oberen Polizeibehörde, persönlich den Sitzungen beizuwohnen, und un-nöthige Fragen, auf die man unerwünschte Antwort erhielt, die Mainz-WürtembergerAdvocaten veranlaßte , die Versammlung etwa acht Tage vor dem beabsichtigten wirklichenZusammentritt aufzugeben und öffentlich abzubestellen: ein Entschluß, welcher mitGrund vielen Tadel fand. Am 25. August 1844 wurde das Ludwigsmonument in Darm-stadt auf feierliche Weise enthüllt und dem ernsteren Pomp der Uniformen und der Zügefolgte am 26. und 27. August Waldfest und mannigfachste Volkslustbarkeit. Durch eineEabinetsordre verkündete der Großherzog in herzlichen Ausdrücken seine Anerkennung. Derin Rheinhessen zur Sprache gekommene Bau einer Eisenbahn von Mainz nach Ludwigs-