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die Wahlen. Eine Wiedererwählung von Staatsdienern und Pensionären, welche zu denMajoritäten der aufgelösten Landtage gehört hatten, hatte nicht Statt gesunden, weil mannach den früheren Erfahrungen allgemein annehmen mußte, sie würden doch keinen Ur-laub bekommen. Andere Mitglieder der gewesenen Opposition waren theilweise mit ge-ringer Stimmenmehrheit ihrer Gegner dieses Mal durchgefallen. Am Auffallendsten er-schien dieses bei E. E. Hoffmann. Dieser Erwählte von 6 Bezirken auf dem Landtag von1832 — 33 konnte es'dieses Mal zu keiner einzigen Wahl bringen: in Folge der unge-heuersten Anstrengungen gegen ihn. Mehrere Wahlmänner hatten ihm ihre Stimmen ent-zogen mit der Bemerkung: sie setzten sich sonst großer Strafe aus. Unddoch siegte sein Gegner nur mit 13 Stimmen über ihn, während er 10 hatte. Die bis-herige Majorität der zweiten Kammer hatte sich auf diese Weise zur Minorität gestaltet:sie war zu einem Drittel herabgesunken und in sehr häufigen Fällen zu noch geringererVerhältnißzahl.
Die Rede, welche der Großherzog bei der Eröffnung der Ständeversammlung (27.April 1835) hielt, war in wohlwollenden und milden Ausdrücken abgefaßt und hatte diePunkte vermieden, welche Schwierigkeiten Hervorrufen konnten. Die neue Majoritätder zweiten Kammer bediente sich rücksichtslos ihrer Uebermacht, indem keine Mitgliederder älteren unter die Beamtencandidaten oder in die Adressecommission und nur drei, ihrerjuristischen Kenntnisse wegen kaum zu Umgehende in die Ausschüsse kamen. Aehnlich beider Discussion der Adresse auf die Thronrede, bei den Wahlfcagen u. s. w- Bald warviel von neuen Straßenbauten die Rede; dieRechenschaflsablagen und Budgetsachen wur-den beschleunigt, mit 31 gegen 6 Stimmen die nun schon auf zwei Landtagen abgelehnteFortentrichtung der der Großherzvgin Louise zu bestimmten Zwecken und auf bestimmteZeit bewilligt gewesenen jährlichen 15,000 Fl. bis 1. Mai 1832 (vergl. oben) für gerecht-fertigt erklärt; von den Erben des verstorbenen Landgrafen Christian von Hessen dessenPalais zum Ständehaus theuer und mit voraussichtlichen, enormen, noch weiteren Aus-gaben darauf acquirirt; eine von der Staatsregierung beantragte Vermehrung der Ca-vallerie um 6 Ofsiciere und 60 Reiter, die schon auf dem vorigen Landtage, selbst bei mi-nisteriellen Mitgliedern, großes Bedenken erregt hatte, erst abgelehnt, aber dann genehmigt.Ein erfolgtes Wiederhinausgeben von Loosen des StaatSanlehens zu 6^ Millionen durchsFinanzministerium erfuhr vom konstitutionellen und rechtlichen, sinanziellen, sowie vomStandpunkte des Passenden und Anständigen in der ersten Kammer durch einige Stan-desherren , in der zweiten besonders durch den Abgeordneten von Gagern kräftige Anfech-tung. Jedoch erklärten bei der Abstimmung in der zweiten Kammer 29 gegen 9 Stim-men, daß das erwähnte neue Hinausgeben „nach Gestalt der Umstände nur beifällig beur-theilt werden könne." Lange Berathung veranlaßte der Gesetzentwurf, die Stellvertre-tung im Militärdienste betreffend. Das bisherige Princip: daß es Privatgesellschaftenüberlassen sei, die ihnen erforderlichen Militäreinsteher sich zu besorgen, sollte aufgehobenund dieses Geschäft einer Staatsanstalt überwiesen werden, unter besonderer Berücksich-tigung der Excapitulanten, Schaffung von Prämien u. dergl. Der Gesetzesentwurf, vondem Abgeordneten von Gagern kur; dahin chatakterisirt: er sei „nicht gerechtfertigt durchseine Motiven, inconstitutioncll in seiner Tendenz und illusorisch in seinen einzelnen Be-stimmungen", wurde mit 29 gegen 14 Stimmen von der zweiten Kammer angenommenund besteht nun schon längere Zeit als Gesetz. Mitfolge davon war das Eingehen derblühenden, dem Unternehmer reichen Gewinn bringenden und von dem Publicum mitgerechtem Vertrauen behandelten E. E. Hoffmann'schen Militärvertretungsgesellschast inDarmstadt. Ein sehr heilsamer Gesetzesentwurf, welcher die Ablösung der Grundrentenbetraf, wurde hinsichtlich seiner meisten Hauptbestimmungen einstimmig, und der damitverbundene Gesetzesentwurf: die Mitwirkung der StaatSschuldentilgungscasse dabei, eberufalls einstimmig von der zweiten Kammer angenommen und trat unterdessen ins Leben.Eben so kamen dieses Mal die definitiven Besoldungsetats, bei theilweisem Entgegenkom-men der Staatsregierung, aber noch größerem der zweiten Kammer, mit 31 gegen 14Stimmen zu Stande. Auch votirte sie ansehnlicher als bisher, obgleich nicht ganz in demUmfange, wie di« Regierung gewünscht, die Universität Gießen; desgleichen die wissen-