Hessen. 723
Weise, Wir schon früher für unmöglich erklärt hatten", und die Bezeichnung des vonGagern-Vorfalles als Grund, welcher die Auflösung der Ständeversammlung nothwen-dig zur Folge hätte haben müssen. Dabei wieder freundliche und lobende Worte für dieerste Kammer und „eine achtungswerthe Minderzahl der zweiten Kammer." Zugleicheine Anrede der Wähler und die Versicherung: „Welche aber auch die Ergebnisse ibrerWahlen sein mögen, so thun Wir hier den unwandelbaren Entschluß kund, gleich wie Wirdie bestehende Verfassung ehren, so auch durch keinerlei Versuche, so oft sie sich auch er-neuern mögen, die Rechte schmälern zu lasser,, welche verfassungsmäßig uns zustehen undin deren Besitz Wir uns befinden." Diese „Verkündigung" ging von da in die HessischeZeitung und in die meisten deutschen politischen Blätter über. Als Theil des Regierungs-blattes wurde sie allerwärts den Gemeinden durch Vorlesen noch direct verkündiget und zu-gleich erfolgte ihr Abdruck in die nicht ganz kleine Anzahl Kreiswochenblätter, zum Theilmit besonderen sie empfehlenden und gegen die „Umtriebe etwaiger Verläumder und Auf-hetzer" gerichteten Zusätzen- Am 20. Nov. 1834 erging ein Ministerialrescript an sämmt-liche zur Leitung der neuen Wahlen bestimmte Commissäre so wie an die mit der Leitungder Bevollmächtigtenwahlen beauftragten Octsvorstände. Dieses Rescript — welchemebenfalls von der Regierung die größtmögliche Oeffentlichkeit gegeben wurde — wies un-ter Anderem an: „Wie Staats - oder öffentliche Diener sich einen ungebührlichen Einflußauf die neuen Wahlen zu verschaffen suchten, so sei dem Ministerium, auch wenndie Handlung an sich nach den bestehenden Gesetzen nicht als straf-bar erscheinen sollte, sogleich davon unmittelbar Anzeige zu machen." Was dieWähler selbst betreffe, so seien dieselben „vor der Vornahme der Wahlen auf die ernst-lichste und eindringlichste Weise an die Wichtigkeit ihres Berufs und an die Verantwort-lichkeit, welche sie durch ihre Stimmgebung übernähmen, zu erinnern u. s. w." Mit-glieder der gewesenen Minorität, aber auch der gewesenen Majorität reisten im Lande um-her; die Hessische Zeitung rügte diese Reisen, während sie von den Festmahlen, welche beiGelegenheit Jener gegeben worden, beifällig referirte. Desgleichen reisten andere Personen,theils ursprünglich ministeriell, theils politische Renegaten; theilsum sich, theils um an-dere Gleichgestimmte zu empfehlen und überhaupt die neuen Wahlen zu verabreden. Gleich-zeitig erschien im Frankfurter Journale und in der Hessischen Zeitung ein Aufsatz „überGesetzgebung und Verwaltung im Großherzogthume Hessen" mit ganz anticoiistitutionel-ler, absolutistischer Tendenz; und in der Hessischen Zeitung eine Reihe sogenannter „vater-ländischer Briefe." Die Majorität der aufgelösten Kammer ward darin stark angegriffen; ge-gen „dieFactionenundUmtriebler"losgezogen, welcheals „politischeMusterreiter"dasLandbereist und die Wahl jener Majorität bewirkt haben sollten; die großen Kosten berechnet, welchedie beiden aufgelösten Landtage dem Lande gemacht hätten; gesagt: „Wie kann ein Bezirk, dereinen, nach den bisherigen offen daliegenden Erfahrungen, erklärten Feind der Regierung zuseinem Deputirten wählt, glauben, daß ihm dafür durch Bewilligung einer Chaussee u.dergl.auch noch besondere Belohnung werde?"—aufgesordert„alle aufrichtigen Freunde des Volkes,alle gutgesinnten gemäßigten Männer" zur Entwickelung von „Energie und Thätigkeit"; Be-zug genommen auf die „sehr zu empfehlende" (!!!) Schrift des gewesenen AbgeordnetenSchacht: „Der Liberalismus auf dem merkwürdigen Landtage von 1833 rc." Es war schweroder unmöglich, daß die Opposition oder ihreFreunde, auch nur widerlegend, gegen solche undähnliche Angriffe durch das Mittel der Presse aufkommen konnten. Bei der HessischenZeitung, selbst in Stuttgart, in Baden, zersplitterten ihre desfallsigen Bemühungen, undnur die Hannöverische Zeitung enthielt aus von Rehberg's Feder einen für sie günstigenAufsatz. Der Druck und die Verkheilung des Protokolls vom 24. October 1834 mit demGagecn-Auftritte, welches die Opposition vortheilhaft für sich glaubte, wurde von ent-gegenstehenden Kräften verzögert, während man die neuen Abgeordnetenwahlen beeilte, sietheilweise an andern Orten abhielt, wo man den Regierungseinfluß stärker glaubte, und einLandrath nach Briefen fahnden ließ, welche sich auf die Wahlen bezögen, deren Verbreiterzu erforschen und „nach Maßgabe des Inhalts" zu arretiren und einzuliefern wären. Ge-rüchte gingen um von der Verlegung der Universität von Gießen (dessen Wahlmänner zurOpposition neigten) nach Darmstadt. Unterdessen erfolgten, zum Theil fast gleichzeitig,