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Habsburger.
so viel Flickwerk, von so viel politischen Lappen und Flecken, die Gott weiß wie vielJahrhunderte alt sind, und nur deshalb bestehen, weil sie zufälliger Weise mit der Ge-walt der Dynastie noch nicht in feindliche Berührung gekommen sind.
Nur in einem Stücke haben die Habsburger in der That große Thätigkeit entfaltet,zwar auch nicht in gewaltigen Schlägen, sondern unvermerkt und successioe, nehmlich indem Bestreben, die Kraft der Trägheit zu dem herrschenden Princip in ihren Völkern zumachen, und hier gelangen wir denn zu einer neuen Seite ihres Charakters. Es isteine psychologische Erfahrung, daß derjenige, welcher Ruhe und Behaglichkeit liebt, dieentgegengesetzten Elemente um sich herum nicht recht leiden mag, hat er die Macht, sievon sich abzuweisen, so wird er es thun. Die Habsburger, als solche Charaktere, dienicht gern aufgeregt sind, sondern sich am liebsten in dem gewohnten Gleise einer be-stimmten Thätigkeit bewegen, waren daher von jeher gegen ein lebendiges, wechselvolles,feuriges Volksleben eingenommen, und von Albrecht I. an haben sie sich demselben feind-selig gezeigt, wenn es ihnen auch erst in späteren Jahrhunderten gelungen ist, die un-liebsamen freien politischen Institutionen aus dem Wege zu räumen. Es ist für sie sehrcharakteristisch, und hängt mit dem in Rede Stehenden zusammen, daß sie eigentlich nie-mals große Staatsmänner gehabt haben. Natürlich verstehe ich unter einem großenStaatsmann nicht einen in den Künsten der Jntrigue, des Wortbruchs, der Treulosig-keit bewanderten Diplomaten, sondern einen Mann, der die ewigen Grundsätze desRechts, die Bestimmung seiner Nation, den Geist seiner Zeit aufzufassen und darnach zuhandeln weiß. Wie gesagt aber: dergleichen Staatsmänner zählt Oesterreich sehr wenige;nicht, als ob sie nicht vorhanden gewesen wären (das österreichische Volk steht an gutenAnlagen keinem anderen deutschen Stamme nach): nein! sie sind absichtlich nicht in dieNähe des Thrones gerufen worden. Denn ein gewaltiger Geist, verbunden mit einemtüchtigen Charakter, an der Spitze der Staatsverwaltung, schien nicht minder gefährlichals das Princip der Freiheit selber. Sind ja eben deshalb die besseren einsichtsvollerenPrinzen dieses Hauses absichtlich von der Theilnahme an den Staatsgeschäfren abgehal-ten worden, weil man ihre Einwirkung in liberalerem Sinne fürchtete. Auch war fürdie Art von Politik, wie sie die Habsburger übten, in der That kein hervorragendes Ta-lent nöthig. Denn diese war eigentlich nur darauf berechnet, niedsrzuhalten, zu be-schneiden, zu unterdrücken, nicht neue Schöpfungen hervo zubringen und neue Ent-wickelungen anzubahnen. Jenes aber vermag auch ein mittelmäßiger Kopf, wenn ernur das Talent der Jntrigue besitzt. Eben solche Köpfe aber waren den Habsburgernrecht; denn sie entgingen dadurch der Möglichkeit, von ihnen beherrscht zu werden, wiedies in anderen Monarchien so häufig der Fall war. In der That, die Habsburger sindviel weniger von ihren Ministern abhängig gewesen als vielleicht jede andere Dynastiein Europa: vielleicht war aber auch keine so eifersüchtig auf die Bewahrung ihrer persön-lichen Selbstständigkeit. Dies gilt bis auf die letzten Zeiten herunter. So ist es z. B.unrichtig, wenn man behauptet, der letzte Kaiser sei von seinem Staatskanzler beherrschtgewesen: Franzi, war vielleicht eben so selbstständig wie Joseph II., und gewiß hatsein erster Minister nie etwas von Wichtigkeit geihan, wozu nicht Franz entweder den An-stoß gegeben oder seine vollkommenste Zustimmung ertheilt hätte.
Die Politik der Habsburger also ihren Völkern gegenüber ist Despotismus. Unddiese Politik wurde von ihnen angewendet, weil sie ihnen die bequemste schien. Um denUnannehmlichkeiten zu entgehen, welche hie und da ein frisches freies Volksleben denMachthabern gegenüber hervorbringt, haben sie es für besser gefunden, lieber den Nervdieses Volkslebens selber zu unterbinden. Sie haben daher all ihr Augenmerk daraus ge-richtet, den Geist zu unterdrücken, wo und in welcher Gestalt er sich zeigte, und an dieStelle desselben Verdummung, Sinnlichkeit und Materialismus zu setzen. Daher ist ihrfurchtbarer Haß gegen die Reformation und die unausgesetzte Verfolgung des Protestan-tismus in ihren Ländern zu erklären. ^
Dieses System der Habsburger, welches die unparteiische Geschichte rücksichtsloszu enthüllen die Aufgabe hat, würde gewiß nicht in dem Maße reüssict haben, wie esin der That der Fall war, wären ihnen nicht andere Momente zu Hülfe gekommen,