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6 (1847) [Gla - Hes]
Entstehung
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301
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Habsburger. 301

kräftiger befestigen, und auf solche Weise den sehnlichsten Wunsch der deutschen Nation er-füllen. Zweitens war ihre Aufgabe, den Orient mit deutscher Bildung zu befruchten,ihn zu Deutschland in ein freundliches Verhältnis? zu setzen, ihm zu diesem Reiche In-teresse einzuflöße», und auf diese Weise den germanischen Einfluß für immer und ewigan den Gestaden der Donau herrschend zu machen.

Es scheint jedoch, als ob die Habsburger diese ihre Aufgabe entweder nicht begriffenoder doch nicht zu lösen verstanden hätten. Sehen wir zunächst, ob und in wiefern siedazu befähigt gewesen. Werfen wir demnach zuerst einen Blick auf den Geist dieses Hau-ses. Zwar ist innerhalb der Familie, wie bei jeder anderen, Mannigfaltigk it und Ver-schiedenheit nicht zu verkennen, welche durch die Besonderheit der Individualitäten be-dingt ist, und deshalb möchte es aufden ersten Blick gewagt erscheinen, über eine ganzeDynastie ein Urtheil zu fällen. Nichts destoweniger geht ein GruMzug durch die ge-summte habsburgische Familie hindurch, welcher nur in einigen wenigen Gliedern Aus-nahme erleidet und der es eben daher erlaubt, dieselbe im Allgemeinen zu charak-terisiert.

Den Habsburgern ist Verstand keineswegs abzusprechen. Er findet sich vielmehrbei ihnen häufiger wie in den Gliedern anderer Dynastien: ja selbst solche Individuen,die sonst als unbedeutend erschienen, find es doch von Seite des Verstandes nicht gewesen;manchen Gliedern der Familie ist in dieser Beziehung Unrecht geschehen. Allerdings istdieser Verstand von einer eigenen Art: ich möchte ihn einen hausbackenen Verstand nennen,der nur auf das Nächste gewöhnlich gerichtet, aber nicht daran denkt, einen höheren Flugzu nehmen. Demgemäß ist auch der Charakter ihrer Politik. Sie scheinen ihr großesReich als ein Conglomerat von Landgütern zu betrachten, zu welcher Anschauungsweiseallerdings die Art des Zusammenkommens derselben und die eigenthümlicheBeschaffenheitihrer verschiedenen Elemente berechtigen zu können scheint. Es tritt in ihnen das Ele-ment des erwerbenden, zusammenhaltenden sorgsamen Hausvaters hervor, der aus sei-nen Gütern so viel wie möglich pecunjären Voclhell zu ziehen sucht, und der überhauptdarein das Endziel seines Lebens und seine Bestimmung setzt. Etwas wahrhaft Genia-les ist der ha''sburg!schen Dynastie fremd. Sie hat daher während ihres mehr als fünf-hundertjährigen Bestehens eigentlich nur zwei wahrhaft ausgezeichnete Geister hervorge-bracht; es ist dies Maximilian II im 16. und Joseph 1l. im 18. Jahrhundert. Diesebeiden Männer wurden aber von ihrer eigenen Familie so sehr als Anomalien betrachtet,daß die folgenden Geschlechter sich alle Mühe gegeben haben, das, was beide Schönes,Großes und Geistvolles ausgestreut, mit Stumpf und Stiel wieder auszurotten.

Große weltumfassende Ideen kamen daher in den Habsburgern nicht auf. Esmochte dies seinen Grund außer in der natürlichen Geistesanlage auch noch in einer ge-wissen Trägheit des Willens haben, welche den Habsburger» nicht minder'angeboren ist.Sie lieben es nicht, activ zu Werke zu gehen, in den großen Verhältnissen die Initiativezu ergreifen, sondern sie lassen die Dinge an sich kommen, und schreiten nicht leicht eherzum Handeln, als bis sie müssen. Sie sind daher eigentlich nicht kriegerischer Natur;es ist keineswegs ein heldenmäßiges Geschlecht und die allerwenigsten ihrer Besitzungensind durch Eroberung gewonnen oder auch nur durch Waffengewalt behauptet worden.Man wird daher den Habsburger» nicht verwerfen können, daß sie darauf ausgegangsnseien, den Frieden von Europa zu stören, um in der allgemeinen Verwirrung sich zu be-reichern, so begierig sie auch jede Gelegenheit ergreifen, um auf friedlichem Wege ihrerKrone neue Edelsteine hinzuzufügen. Auf der anderen Seite hat aber auch jene Kraftder Trägheit rasche heilsame zeitgemäße Organisationen im Innern des weitschichtigenReiches gehindert. Sie ließen auch hier die Dinge gehen, wie sie gingen, wenn etwa dieEinführung eines neuen Systems zu viel Mühe gemacht oder auf entschiedenen Wider-stand von Seite der Mächtigen gestoßen wäre. Wo dieser sich geltend machte, hat immerdie Thätigkeil der Habsburger aufgehört. Man sieht daraus schon, worauf eigentlichder Conservatismus der Habsburger beruht; es ist nichts Anderes als die Kraft der Träg-heit, welche nirgends anders, außer vielleicht in China, stärker ist, aber auch nirgendssonst so viel Nahrung erhält als gerade in Oesterreich. Daher hier die Erscheinung von