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Habsburger.
welche wiederum in ihrer Persönlichkeit ihren Grund hatten. Sie wurden nehmlich ein-mal durch jenen oben bereits erwähnten hausbackenen Verstand unterstützt, der ihnenhier einen gewissen Takt in der Verfolgung ihrer Plane vorzeichnete. Sie fielen ruchtleicht mjt der Thür ins Haus, sondern unterhöhlten allgemach den Boden, auf dem sieihre Netze stellten; trafen sie unvermuthet auf Widerstand, wie z. B. in den Zeiten desMittelalters und noch im 17. Jahrhundert, so zogen sie sich wohlweislich zurück, umihre Versuche auf passendere Zeiten zu verspüren. Sodann besaßen sie bei allem Man-gel an wahrhaft großen Eigenschaften, die sie als Helden oder Genies Hallen erscheinenlassen können, doch einige, welche, von ihnen auf das Beste benützt und zur Schau ge-stellt, jene anderen recht gut, wenigstens für ihre speciellen Zwecke, zu ersetzen vermoch-ten. Dahin gehörte eine gewisse Zähigkeit des Willens, welche, obschon häufig mitEigensinn gleichbedeutend, denn doch in ihren Aeußerungen und ihren Resultaten sehr oftmit Charakterfestigkeit verwechselt wird, namentlich bei regierenden Häuptern. DieseZähigkeit ist ein Grundzug der Habsburger; selbst die schwächsten Charaktere unter ihnenbesitzen sie; weshalb sie niemals, selbst unter den schlechtesten Aussichten, sich und ihreSache gänzlich aufgegeben haben; hundertmal zu Boden geschlagen, standen sie, wennauch gekrümmt und gebückt, dennoch wieder auf. Es liegt in diesem Zuge etwas Alt-römisches, wenn man will, etwas Großes. Man kann sich wenigstens denken, wie einVolk, das Fürsten mit solch unverwüstlicher Lebenskraft an seiner Spitze sieht, eine An-hänglichkeit an sie gewinnen kann, welche im Laufe der Jahrhunderte zur Treue und zurErgebenheit führen muß. Und gewiß haben die Habsburger diesem ihrem Familienzugeeinen großen Theil ihrer Popularität zu danken.
Noch mehr unterstützte sie aber ihr persönliches Auftreten, ihre ganze Haltung derGesellschaft gegenüber. Die Habsburger alle haben etwas Volksmäßiges an sich; siebesitzen ein wahrhaftes Talent, mit dem Volke zu verkehren und bei demselben freund-liche Eindrücke zurückzulassen. Schon die Geschichte von dem Empvrkommen diesesHauses trägt einen volksmäßigen Charakter. Der Gras von Habsburg, ein kleiner un-bedeutender Herr, der sich noch um seine Habe hecumschlagen muß mit seinen Feinden,der es nicht verschmäht, in die Dienste einer reichen Stadt zu gehen und als Feld-hauptmann die Truppen derselben anzuführen, dann durch seine persönliche Tüchtigkeitzum deutschen Königsthrone gerufen, in dieser neuen Stellung aber darauf bedacht, über-all Ruhe und Ordnung und Sicherheit herzustellen, dadurch ein Förderer und Unter-stützer des fleißigen betriebsamen Bürgerthums — was ist das für eine prächtige Figur,durchaus für das Volk berechnet! Die Habsburger haben nicht versäumt, den Ahnherrnfür sich auszubeuten, und die volksmäßigen Beziehungen ihrerseits fortzusetzen. Die un-mittelbare Berührung zwischen dem Throne und dem Volke hat daher in Oesterreich niedergestalt aufgehört wie anderwärts: es hat in Wien nie rin so steifes Hofcecemonielbestanden wie in Versailles oder in Madrid; die Kaiser' und die Prinzen haben mitdem Volke immer dazwischen verkehrt, haben in seiner eigenen Sprache mit ihm gespro-chen, sind in seine Ideen und Vorstellungen eingegangen. Ja, sie haben absichtlichmanchmal einen gewissen Cynismus affectirt. Dieses volksmäßige Benehmen war fürdie Habsburger von unbeschreiblichem Vortheile. Denn durch diese ihre persönlicheFreundlichkeit hoben sie die schlechte Wirkung, welche ihre politischen Maßregeln mach-ten, größtentheils wieder auf; sie verzuckerten dadurch gleichsam die bitteren Pillen, wel-che das österreichische Volk zu verschlucken gezwungen ward. Ja, es stellte sich nun ohn-gefähr die Meinung bei dem Volke fest, daß so freundliche liebevolle Herren es dochnicht bös mit ihren Unterthanen meinen könnten und daß die schlimmen Streiche, welchegespielt wurden, doch nur von den Ministern und den Räthen ausgingen, und daß dieguten Herren wahrscheinlich um den größten Theil des Bösen, was geschähe, gar nichtswüßten. Uebrigens benimmt die Möglichkeit eines freieren persönlichen Verkehrs mitdem Monarchen (wie sehr auch dieser nur auf den Schein berechnet sein mag) dem Ab-solutismus einen großen Theil seiner schlechten Wirkung. Man wird zugestehen müssen,daß jener bekannte Ausspruch des Tirolers gegen den Erzherzog Johann („du bist eben^ cm S.z, wie dein Bruder, der Kaiser: man kann sich auf keinen von Euch ver-