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Guizot's politische Doktrinen.
Freiherr v. Bülow-Cummerow läßt sich verleiten, zu sagen (Preußen rc. H., 1843S. 5): „Das Symbol der französischen Constitution ist der Frei heits b aum, er ist injeder Hinsicht ein sehr sprechendes derselben. Ein lebloser Baum ohne Wurzeln, derRepräsentant einer Idee, ein Baum, derkeineZweigezu treiben, keine Früchte zutragen vermag. Die französische Verfassung ist ein Product derfurchtbarstenRevo-lution, welche die Geschichte uns mitzutheilen hat; aus derTheorie (!!?) entsprungen,ist sie aus den Trümmern alles Bestehenden errichtet. Der Grundgedanke dieser Verfas-sung ist eine ideale Gleichheit und Freiheit, und in der Consiquenz davon wird dieSvu-v er änetat als im Volkswillen vorhanden gedacht. Um diese Gleichheit und Freiheitgegen die Regierung zu schützen, sind Beschränkungen eingeführt, welche ihre Kraft völliglähmen und sie zwingen, sich immer den Parteien selbst anzuschließen, um durch sie in derMacht zu bleiben." Natürlich liegt nun der Gedanke sehr nahe, daß das Repräsentativ-system ein revolutionäres, wälsches Product sei, und ganz unverträglich mit dem Principder Monarchie! — Auch Lamartine hat erst vor einiger Zeit, in seiner Rede vom 6.Mai 1845 , sich zu der Bemerkung veranlaßt gesehen: „Die französische Revolution sei
noch nicht in das neueuropäische Staatssystem ausgenommen" (n'est pss encore dssse'een Lurops). Und noch ganz neuerdings lasen wir von einem Vorfall, der in der Thal nurzu sehr beweist, wie irrig noch selbst bei hochgestellten Staatsmännern die Ansichten hierübersind^). Wahrlich, solche Verkennungen einer welthistorischen Thatsache, und der Wahn, alsließe sich durch polizeiliches Verbot die wahre Würdigung derselben verhindern, erinnernnur zu sehr an die Zeit des politischen Rococoismus^), und an die Wahrheit der Mahnung,daß es heutzutage „des Arms geübter Steuerleute, d- h. Staatsmänner bedarf, welche inGeschichte und Staatsrecht tief eingeweiht sind, nicht Ideen fürchten und daraus schelten",
fast Alle einen Kunstgriff, den sie mit jedem Sachwalter gemein haben, der eine schlechteSache führt, die er auf geradem und ehrlichem Wege durchzubringen verzweifelt. Sie wer-fen nun alle Gebrechen und Verbrechen der Zeit, alle ihre Laster und Unarten, alle Aus-schweifungen und Verkehrtheiten in Begriffen und Lhaten, ja alles Abgeschmackteste undAbscheulichste, was von französischen Umkehrungsmännern hier und da als ewigeWahrheit, ja als Wrundgesetzbuch eines freien und hochsinnigen Volkes ausgesprochen ist, aufdie Lehre vom Vertrage und Stellvertretung, und stellen sie dar als nothwendigeFolgen und Geburten dieser Lehre. Armer Martin Luther, wie bestehst Du, wenn man sogegen Dich schließt, ja Du armer Jesus Christus, Sohn Gottes und Heiland der Welt, wiebestehst auch Du, wenn Du verantworten sollst, was verrückte und verworfene Menschen ausDeiner himmlischen Lehre zuweilen erklärt und wozu sie sie gemisbraucht haben"!
3) Vergl. Franks. O.-P.-A.-Zeitung v. 18. Mai 1845.
4) Die Zeitungen, z. B- Franks. O--P--A.-Zeitung v. 5. Febr. 1847, theilten die Nach-richt mit, der bekannte 1>r. Prutz dürfe seine im Januar in Berlin vor einem zahlreichenund gebildeten Publicum begonnenen literar-historischen Vorlesungen (worüber auch dieAugsb. Allg. Zeit, günstig berichtet hatte) nicht fortsehen, weil, wie ihm der Minister desInnern selbst gesagt, „er in der ersten Vorlesung die franzdsische Revolution gelobthabe; solches dürfe in Berlin nicht geschehen". —Nun ist zwar ganz richtig und erst neuer-dings von Gervinus (Mission der Deutschkathvl.) mit Recht eingeschärft worden, daßwohl „einwü chsige" Staaten und Völker, wie England und Frankreich, solche Revolutio-nen überdauern können, in welchen das zerstückelte Deutschland ganz untergehen würde;allein damit, daß man das Gute, was die Idee der französischen Revolution hat, aner-kennt und lobt, nimmt man nicht ihre Ercesse in Schuh und fordert nicht zu Revolutio-nen auf. Auch preußische, sehr loyale Publicisten und Historiker haben jenes schon längstgethan und nachgewiesen, wie viel Deutschland und auch Preußen der französischen Revo-lution verdankt, und daß die französische Revolution nicht blos als eine französische, son-dern als eine allgemein europäische anzusehen ist; vergl. darüber Steffens, d. gegen-wärt. Zeit. 1817. S. 498. Fr. Buch Holz, Journ. für Deutschl. Berlin 1817. S. 249.Ranke, hist.-polit. Zeitschrift. 1832. I, 81. Thilo, die Volkssouveränetät. 1833: S.82.Arndt, Sehr, an s. lieben Deutsch. 1845. II. S. 83.
5) Einer unserer berühmtesten Historiker, der König!. Pr. Geh. Archivar u. Prof. K.A. Menzel in Breslau, erzählt (Geschichte unserer Zeit re. II. S. 296 f. der 3. Ausg.Berlin 1829):
„In der Hauptcrscheinung der französischen Revolution mit ihren Ursachen undWirkungen fand der russische Kaiser Paul nicht eine Aufforderung zur besonnenen Prüfungder in den Monarchien eingerissenen Mängel und Mi'sbräuche, sondern nur einen Gegenstand