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6 (1847) [Gla - Hes]
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292 Guizot.

und gegen ihre Entfernung aus Spanien wurde ohne Zweifel unter französischem Einflüsseerlassen, dem man es wohl gleichfalls zuzuschceiben hat, daß die ehemalige Regentin als reuigeSünderin vor dem Papste erschien und sich hiermit für weitere Plane der Unterstützung derhierarchischen Partei zu versichern suchte. Auch schrieb man schon damals Louis Phi-lipp die Absicht zu, mit Hilfe der Königin Mutter den erst 1844 mit der neapolitanischenPrinzessin, Herzogin von Salerno, vermählten Herzog von Aumale zum Gemahl Isa-bel l e n s bestimmen zu lassen. Seitdem entspann sich, unter mancherlei Wendungen undKrümmungen, ein durch vielfache Zweideutigkeiten, Listen und Hinterliste Jahre lang sichdurchziehender Faden diplomatischer Unterhandlungen, den die französische Politik erst mög-lichst zu verwirren suchte, um endlich mit einem ssit sccompli abzuschneiden. Nach endlicherVeröffentlichung der betreffenden Actenstücke*) und nach Bekanntwerdung des Resultats Vermahlung der spanischen Königin mit einem Prinzen, der von allen Bewerbern die ge-ringste Aussicht auf legitime Nachkommenschaft giebt, und der für Spanien in Aussicht ge-stellte Herzog von Montpensier mit seiner reichen Gemahlin und mitseinen zu erwarten-den Sprösslingen hat sich die öffentliche Meinung dahin festgestellt, daß England in die-sem kläglichen Handel, der mit seinen kleinlichen Finten an die schlechtesten Zeiten der altenDiplomatie erinnert, auf unwürdige Weise getäuscht worden ist. Vor Allem ist dies vonfranzösischer Seite durch das freilich nur zweideutig ausgesprochene und nicht gehaltene Ver-sprechen geschehen, daß die Vermählung Montpensier's erst nach der Geburt einer zurThronfolge berufenen Nachkommenschaft I sabellens Statt finden solle.

So hat nun Guizo t sein Spiel sürLouisPhilipp gewonnen; aber eine andereFrage ist es, ob nicht später dieser Gewinn zum großen Schaden für Frankreich und Eu-ropa ausschlagen werde. Das verschlägt wenig, ob und wie lange die feindseligen MinisterPalmerston und Guizot die auswärtigen Angelegenheiten Englands und Frankreichsnoch gleichzeitig zu leiten vermögen. Aber gewiß ist, daß eine dauernde Beruhigung derpyrenäischen Halbinsel nur durch das offene und ehrliche Einverständniß der beiden Mächte,wozu Frankreich selbst scheinbar die Hand geboten, bewirkt werden konnte. England,ob nun Whigs oder Tories an der Spitze der Geschäfte stehen, ist fortan genöthigt, diefranzösischen Einflüsse auf Spanien und Portugal in aller Weise zu durchkreuzen. Und trätegleich nie oder erst inspätern Jahren derFall einer Berufung der Herzogin vonMontp en-sier oder ihrer Nachkommen auf den spanischen Thron ein, so bieten doch die Zustände derpyrenäischen Halbinsel noch Anhallpunkle genug, auf welchen die britische Politik ihre Hebelgegen Frankreich kann spielen lassen. Aber sie kann es nicht, ohne zugleich den WestenEuropa's, ohne Europa selbst durch neue Erschütterungen zu bedrohen.

Nach Allem läßt sich schwerlich läugnen, daß im Osten die einseitige VernichtungKrakau's, daß im Westen die brüske spanische Doppelheirath den mühselig erhaltenen lang-jährigen Frieden von Neuem gefährden. Auch alle Schwierigkeiten der nur vertagtenorientalischen Frage werden über kurz oder lang wieder hervortreten; und jetzt schon ist dieAnarchie, die man sonst nur im Volke suchte, alle Fäden der herkömmlichen Politik zerrei-ßend bis in die Eabinette der Fürsten gedrungen. Um so größer wird die Gefahr, wenn erstmit Louis Philipp und Metternich diese Politik ihre gewohnten Anhaltpunkte ver-liert. Dann mag die vom französischen Minister desFriedens um jeden Preis" nicht ge-löste Aufgabe der Erhaltung des Friedens oder der Beschränkung des vielleicht unvermeid-lichen Kriegs auf seine engsten Gränzen kaum noch anders erfüllt werden, als durch Preu-ßen, im innigsten und durch ein allseitiges Vertrauen der deutschen Nation gefesteten Ver-eine mit den konstitutionellen Bundesstaaten. Und darum richten sich selbst vom Stand-punkte der auswärtigen Politik aus jetzt alle Augen auf die Lösung der eben erst angeregtenpreußischen Verfassungsfrage. Wohl hat man schon rügend hervorgehoben, daß die wich-tigsten Bestimmungen über die demvereinigten Landtage" octroyicten Befugnisse, na-mentlich über das Recht der Steuerverwilligung, allzu deutlich an die geheimen Beschlüssedes Wiener Ministerialcongresses von 1834 erinnern, als daß darauf große Hoffnungen zubauen seien. Man hat darauf hingewiesen, daß bei der Zusammensetzung der Stände, bei

*) Augsb. Allg- Ztg. Zanuar 1847.