Druckschrift 
6 (1847) [Gla - Hes]
Entstehung
Seite
289
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Guizot. 289

Gegner und Vorgänger im Ministerium, Thiers, über die von ihm in Anregung ge»brachte Befestigung von Paris den Abgeordneten seinen Bericht erstattete, unterstützteGuizot in einer energischen Rede den Antrag, indem er die Befestigung nicht blos alseine nvthwendige Garantie für Erhaltung des europäischen Friedens bezeichnete, sondernzugleich als ein Mittel, um Europa zu überzeugen, daß eine Revolution in Frankreichnicht mehr möglich sei." Und er mag darin richtig geurtheilt haben, daß bei dem großenEinflüsse der Hauptstadt durch ihre Befestigung einer plötzlichen Umwälzung miteinem Schlage, wie in den Julitagen von 1830, vielleicht für immer vorgebeugt ist.Allein die fort und fort sich erneuernden Eoalitionen und Aufstände der Arbeiter, die Un-ruhen zu Toulouse und in anderen Städten im 1.1841, die auch politisch ausgebeutetenHungeremeuten in den Jahren 1846 und 1847 geben Zeugniß dafür, daß keineswegs dieGefahr der örtlichen und in wachsender Zahl sich wiederholenden Bewegungen vorüber ist,die in ihrer Gesammtheit wohl gleichfalls die Wirkung einer Revolution haben und Frank-reich mit Gewalt aus dem Geleise seiner bisherigen Politik herausdrängen können. DieInhaber der Macht und Diejenigen, die um die Macht buhlen, namentlich der seit sechsJahren für eine nvthwendige Stütze des Statusquo gehaltene Guizot, scheinen in-dessen in den so gefährlichenunbeweglichen Gedanken" der Erhaltung allzu fest verranntzu sein, als daß es nicht ernstlicher thatsächlicher Mahnungen bedürfen sollte, um endlichauch wieder für Frankreich die Bahn zu Reformen zu brechen, die eine wahre und blei-bende Befriedigung des Kerns der Nation zur Folge haben.

Als Guizot mit den andern Vertretern der doctrinären Partei im April 1837 ausdem Ministerium Mole getreten war, betheiligte er sich später bei der auf den Sturzdesselben gerichteten Coalition der 221- Im Febr. 1840 wurde er unter dem MinisteriumSoult Gesandter in London, als gerade mitAuSschluß von Frankreich die anderen europäi-schen Großmächte in der orientalischen Frag« ihren Quadrupelvertrag vom 15. Juli 1840vorbereiteten. Er behielt die unter solchmUmständenbesonderswichtigeBotschafierstelle auchnach dem Abschlüsse des Vertrags unter dem kriegerischenMinisterium Thiers, in welcheseinzutreten er sich geweigert hatte. Nach dessen Beseitigung am 29. October 1840 über-nahm Gu izot unter Soult's Präsidentschaft, aber in einem Ministerium, für dessenBildung ec haup sächlich thätig war, die noch jetzt, im Februar 1847, ihm anvertrautc Lei-tung der auswärtigen Angelegenheiten. Schon durch die Gewähr seines Namens ver-schwanden die Besorgnisse Europas vor den trotzigen Herausforderungen des in seiner Jso-lirung grollenden Frankreichs. Bald legte sich auch in diesem Lande selbst die kriegerischeAufregung, obgleich schon damals also sechs Jahre vor der Vernichtung Krakau'seine zahlreich verbreitete Volksschrift mit dem Motto:Nieder mit den Verträgen von1815!" dasFeuerzuschürensuchte; und obgleich die ganze journalistische Opposition, über Uder damaligen Pariser Tagespresse, gegen die in den Neujahrsreden von 1841 gegebenenFriedensversicherungen Einsprache that. Schon an den Unterhandlungen wegen der thra-cischen Meerengen und an dem am 13. Juli 1841 Unterzeichneten Vertrag der Groß-mächte über die orientalischen Angelegenheiten hatte Frankreich wieder Anlheil genommen.Ein langwieriger und langweiliger Etikettestreit mit dem russischen Hofe im Anfänge desJahres 1842 zog keine ernstere Verwickelung nach sich; und Frankreich schien vielmehrgeneigt, seine Wiederannäherung an die Politik der anderen Großmächte auf alle Weise zubethätigen. Dies zeigte sich namentlich im Benehmen Gui; ot 's gegen die Schweiz, alsdie Berufung der Jesuiten nach Luzern und die dadurch veranlaßten Freischaarenzüge zurdiplomatischen Tagesordnung kamen. Das Cabinet der Tuilericen war so erfreut überseine Wiederzulassung in den Rath der Großmächte, daß der Minister des Auswärtigen, imWiderspruche mit den von Thiers und zumal von Lamartine entwickelten Ansichten überdie Stellung Frankreichs zur Eidgenossenschaft, selbst einen noch hochsahrenderen Ton alsdie östlichen Mächte gegen den kleinen republikanischen Staatenbund anschlug (s.schwei-zerische Jesuitenfrage"); und daß er im nahe liegenden Interesse Oesterreichs kein Beden-ken trug, die dem Frank.eich der Julirevolution naturgemäß zugeneigten Sympathieen derMehrheit der schweizerischen Bevölkerung in die Schanze zu schlagen. Dies geschah, alsman sich in Frankreich selbst wenigstens zu einer scheinbaren Nachgiebigkeit gegen die jesui-Staats-Lerlko«. VI. LS