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6 (1847) [Gla - Hes]
Entstehung
Seite
286
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286 Guizot.

Antrag Bcrard's auf ?sbänderung der Charte durch seine Mitwirkung für den vom Herzogvon V ro gl! e »erfaßten Vorschlag, wornach der bisherige Census der Wählbarkeitun)Wahlfähigkeit mit je 1000 und 300 Franken direkter Steuern, so wie die bisherige Orga-nisation der Pairskammer beibehalten und nur die unter Karl X. geschehenen neuenPaüsernennungen für nichtig erklärt werden sollten. Auch erfand er sich bald jene Qua-silegitimitäk, indem er Ludwig Philipp's Wahl mit auf den Grund stützte, weiler ein Bourbon sei; und bei der Frage über die Erblichkeit der Patts stimmte er fürihre Beibehaltung. So befand er sich bald wieder auf dem Punkte von 1815. Mitnicht sehr langen Unterbrechungen bekleidete er seitdem bald den einen , bald den anderenMinisterposten und wußte als Minister des öffentlichen Unterrichts manches Heilsame an-zuregen und zu fördern. Zugleich stimmte er jedoch fortwährend für die strengsten Maß-regeln der quasilegitimistischm Reaktion, insbesondere nach den Juniereignissen für denBelagerungsstand von Paris, für Kriegsgericht« und zahlreiche Verhaftungen. Bei dembesonderen Einflüsse, den er stets im Ministerium behauptete, hatte er an den in Folge desAttentats vom 28. Juli 1835 beschlossenen Maßregeln großen Antheil. Jetzt geschah esaber, daß Royer- Collard, den von der Regierung vorgelegten Entwurf eines Preßgesetzesbekämpfend, zum erstenmale seinem früheren Schützlinge und den anderen Doktrinärsentschieden enkgegentrat. Später sehen wir Guizot als eifrigen Gegner der Amnestie,als Anhänger des Disjunclionsgesetzes, des Apanagegesehes, als Vertheidiger des Wider-standes gegen die Freunde des Fortschrittes und der Amnestie rc. So diente er denn erstder Macht, zum Theil vielleicht darum , weil ec eine schwankende Regierung vorfand undsich sagte, daß diese vorerst begründet werden müsse; dann trat er als eifriger Kämpfer fürFreiheit und Volksrechte auf und endlich von Neuem als hitziger Vertheidiger der Regie-rungsgewalt. Trotz seiner dogmatischen Strenge blieb er stets von den Umständen abhän-gig, woraus er sein politisches Glaubenssystem schöpfte. Und wenn er eifrig und hart-näckig in der Behauptung seiner Meinungen ist, so ist er doch keineswegs ein starker undunbeugsamer Charakter und ein Mann fester Grundsätze und sicherer Theorie, da ihm beidem gleichzeitigen Schwanken der Begebenheiten und seiner Ansichten der lebendige En-thusiasmus sogar für seine eigene Meinung gebricht; da ihn keine durchgreifende Idee be-seelt; da er vielleicht Ueberzeugungen, aber keine Ueberzeugung hat.

Dieses Leben und diese Wirksamkeit Guizot's sind zugleich die thatsächliche Ver-anschaulichung seines doktrinären Systems. Immer werden nach der hauptsächlichenRichtung politischer Bestrebungen drei Hauptparteien zum Vorschein kommen: die rück-wärts drängenden Vertreter der Vergangenheit; diejenigen der Gegenwart, die sich ver-mittelnd um Erhaltung des gerade Vorhandenen bemühen; und die Partei der Zukunft,die schon im Keime den wachsenden Baum der Völkerfreiheit erkennt. Allein wie diePartei der Vermittelnden, das sogenannte Justemilieu, solche Anhänger zählt, die mitmehr oder minder Gewandtheit eben nur die Umstände benutzen, um sich sorglos auf derWelle des Augenblicks zu schaukeln und, solange es gehen will, oben zu schwimmen; sozählt sie wiederandere, die sich zur größeren Beruhigung ihres politischen Gewissens ausden gerade vorhandenen Elementen ein bequemes Glaubenssystem aufbauen, worin manwohl auch das Zufällige und Verschwindende für nothwendig und dauernd gelten läßt.Wenn der Nebenbuhler G u i zo t's, der geistesgewandte Thiers, bei wesentlich gleicherTendenz als der hauptsächlichste Vertreter der zuerst bezeichnet«», Schattirung erscheint, sostellt sich dagegen in Guizot und den Doktrinärs die andere Schattirung dar. Dieserfand in der bürgerlichen Gesellschaft ein demokratisches Element, dessen Macht er nicht inAbrede stellen konnte, aber zugleich monarchische und aristokratische Erinnerungen und In-stitute- Das Gegebene suchte er in Reihe und Glied zu stellen, dem Einen und Andereneine bestimmte Stelle anzuweisen und es auf der angewiesenen Stelle festzuhalten. Da-für gab ihm zunächst die octroyirte Charte Ludwig's XVUI. den Maßstab. Zu ihrerweiteren Ergänzung erschienen ihm die englische Verfassung und die englischen Instituteals historisch gegebenes Vorbild, worauf ec häufig hinwies, ohne es besonders zu beachten,wie derselbe Geist, der durch alles neuere Völkerleben schreitet, zugleich schaffend undzerstörend seine Hand auch an das britische Staatsgebäude gelegt und diesem schon eine