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6 (1847) [Gla - Hes]
Entstehung
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274 Gütergemeinschaft.

nisse. Bewußt oder unbewußt ist daher diese Organisation der Grundgedanke jeder demo-kratischen Verfassung. Wie daher der politische Absolutismus stets eine politische Revo-lution zu erwarten hat, so wartet vor derThüre jeder demokratischen Verfassung eine Aen-derung der socialen Verhältnisse. Jnstinctmäßig fühlen dies die Persönlichkeiten wohl,die in der Schweiz jeweils am Ruder sind, allein sie haben den Muth nicht, an die Spitzeder Bewegung sich zu stellen. Dazu gehört vor allem eine feste und sichere Stellung desStaates nach Außen und Innen, diese aber ist in der Schweiz bei ihrer inneren Zerrissen-heit und Abhängigkeit von äußeren Einflüssen nicht vorhanden. Dann aber ist die frag-liche Bewegung eine so bedeutende und durchgreifende, daß ein Mann des Jahrhundertsdazu gehört, mit der nölhigen Ueberlegenheit des Geistes und Charakters, um sich an ihreSpitze zu stellen in der Schweiz aber ist, wie fast überall, die Mittelmäßigkeit am Ruder,die ehrsame Beschränktheit, welche einen großen Gedanken nicht zu fassen vermag. Rechnetman noch dazu, daß die herrschenden Persönlichkeiten, wie namentlich in Zürich, gewöhn-lich jener Classe der Gesellschaft angehören, welche bei einer socialen Umgestaltung aller-dings einige Opfer zu bringen und einige Privilegien aufzugeben hätte, so werden die po-litischen und psychologischen Motive dieser Heiligsprechung des Bestehenden erschöpft sein.

Abt.

Gütergemeinschaft. I. Allgemeine, unter allen Menschen. Oftmalsschon ist die Einführung einer allgemeinen Gütergemeinschaft unter allen Menschen ange-rühmt, einige Male ist sie in kleineren Kreisen versucht und erst wieder in unserer Zeit durchdie St. Simonisten und Andere angepriesen worden.

Es läßt sich gewiß nicht verkennen, daß zahllose Misstände und Uebel durch eine un-passende unverhältnißmäßige Vertheilung des Vermögens hervorgerufen werden. Wäh-rend der blinde Zufall der Geburt oft enorme Reichthümer in die Hände eines einzelnenMenschen bringt, der entweder die Fähigkeit oder den guten Willen nicht besitzt, dieselbenauf eine eben sowohl der Gesammtheit seiner Mitbürger als ihm selbst vorlheilhaste Weisezu benutzen, oder der sie sogar zuweilen zum unmittelbaren oder mittelbaren Nachth eiledes Gemeinwesens anwendet sehen wir so häufig äußerst talentvolle, redliche, für dasWohl ihrer Mitmenschen hochbegeistecte Männer aus Mangel an solchen Mitteln gelähmt,verhindert an der Ausführung ihrer schönsten und trefflichsten Entwürfe, Andere selbst vonvorn herein an ihrer geistigen Ausbildung.

So drängte sich denn mannigfach die Ansicht auf, jeden derartigen Misständen kurz-weg durch Bildung einer möglichst alle Menschen umfassenden Gütergemeinschaftzu begegnen; Mangel und Elend der Einen sollte darnach eben sowohl aus der Gesellschaftverschwinden, als die schwelgerische Vergeudung, die entnervende Ueppigkeit und Prunksuchtder Anderen.

Allein diese Ansichten, so gut gemeint sie auch meistens von denjenigen waren, welchedieselben verschlugen, beweisen doch durchaus ein völliges Verkennen der Vorbedingun-gen eines jeden socialen Verhältnisses unter civilisirten Menschen. Je wesentlicher hierder Besitz materieller Mittel für den Einzelnen und die Gesammtheit ist, je unentbehrlicherdas materielle Vermögen für ferneres Emporschwingen, für weitere Ausbildung nicht nurder Lebensannehmlichkeilen, sondern häufig auch gerade der geistigen Cultur, der Entwicke-lung und Erhöhung des Wissens, erscheint, um so weniger nützlich, ja um so verderbli-cher müßte sich die Einführung einer allgemeinen Gütergemeinschaft erweisen.

Obne eine vernunftgemäße Vermögensansammlung fehlen augenscheinlich die Mittelzur Ausführung der mannigfachsten nützlichen Dinge. Wer wird aber Vermögen sammelndurch gute und genaue Oekonomie, oft durch Entbehrungen drückenderArt solches an sich selbstersparen, sich zu diesem Behufe nicht selten die lockendsten Genüsse versagen wollen, ohnedie Gewißheit, daß das Ersparte nur ausschließlich ihm gehört,von ihm aufseine Kinderoder diejenigen, welche er nach freiem Willen dazu bezeichnen wird, unbedingt vererbt wer-den kann? Oder wer wird sich mit drückender Arbeit abmühen und plagen wollen bei demBewußtsein, daß er die Früchte seines Fleißes mit allen Müßiggängern kurzweg zu theilenverpflichtet wäre? Würde nicht fast ein Jeder die Freude zur Arbeit verlieren, mit Widerwil-len seine Felder, seine Werkstätte betreten und ohne Eifer, ohne Fleiß, ohne Kraftentwickelung