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6 (1847) [Gla - Hes]
Entstehung
Seite
269
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Gültigkeit. 269

heit und Berechtigung, nach den Gründen, die sein Dasein rechtfertigen, fragen darf.Jede Kritik, jede Untersuchung muß vor diesem Bestehenden verstummen, der Menschdarf ihm gegenüber nicht Mensch sein, das Object ist zum Herrn, zum absoluienDespoten des Subjects gemacht, der menschliche Geist hat eine schwere dunkle Masse vorsich, welche, jedem Lichtstrahl unzugänglich, schlechthin angebetet werden muß. Die Ver-nunft muß sich vor der Uebermacht außer ihr liegender Gegenstände ohne Widerrede beugen.

Die Zustände solcher Staaten sind somit auf ein Gebiet versetzt, wo die Menschheitaufhört, auf ein Gebiet, wo der Mensch aufhört, Mensch zu sein, wo er nur noch einwillenloses, zerknirschtes, deprimirtes, gebeugtes Wesen ist, Alles ausgebend, was denBegriff Selbst bezeichnet.

Für die Beurtheilung dieser absoluten Gültigkeit des Bestehenden kommt natürlichdessen Qualität gar nicht in Betracht, es handelt sich einfach um die Frage, ob im vernünf-tigen menschlichen Staate Etwas, und wäre es auch das Beste, in so fern absolut seindarf, daß es der Kritik schlechthin als etwas Unantastbares gegenüber stehen, daß es über-haupt gar nicht mehr Gegenstand des menschlichen Urtheils sein darf? Ich sage Nein,denn es ist schlechthin mit den Bedingungen, unter welchen überhaupt der menschliche Geistexistirt, unvereinbar, daß ein Gegenstand zum absoluten Herrn über ihn gemacht werde.Der menschliche Geist ist so untheilbar, so sehr ein Ganzes, daß er gerade so weit aufhörtfrei zu sein, als ihn irgend Etwas dominirt, als ihm irgend Etwas nicht erlaubt, ihmnahe zu kommen. Erforschen, untersuchen, prüfen, überhaupt zu seinem Gegenstandmachen muß der menschliche Geist Alles können, was existirt, und er muß darin durch garkeine anderen Schranken gehindert sein, als durch die seines eigenen Wesens und Organis-mus, sonst ist der Mensch nicht frei, sonst hat er stets Etwas vor sich und über sich, dasihn absolut beherrscht.

An sich hat natürlich kein Gegenstand und kein Zustand, also auch dasBestehende"nicht, die Macht, dem menschlichen Geiste sich als Schranke gegenüber zu stellen, alsHinderniß, das seine Thätigkeit lähmt, denn es hat keinen Willen. An sich bietet jedesObject der Kritik sich dar. Seine absolute Gültigkeit, seine Heiligkeit und Unantastbar-keit kann ihm deshalb nur von einem Willen, der aus ihm herausspricht, vindicirt werden.

Eine solche absolute Gültigkeit des Bestehenden ertheilt demnach irgend einem Willenim Staate die Möglichkeit, alles Mögliche mit dem Stempel der Unantastbarkeit zu be-zeichnen, was ihm beliebt, jene absolute Gültigkeit des Bestehenden kann zum RechtStitelfür alles Unrecht und für jeden Unsinn gemacht werden, den man zu conserviren irgend einInteresse hat- Handelt es sich z. B. um eine Kritik der bestehenden kirchlichen Verhältnisseund Glaubenslehren, so kann jede Untersuchung darüber abgeschnilten werden durch Be-rufung auf die absolute Gültigkeit des Bestehenden. Gewisse Lehren und Symbole sindeinmal da, bestehen einmal und dadurch ist jede weitere Frage nach ihrer vernünftigen Be-rechtigung abgeschnitten,.die Kritik hat sichin den Schranken kirchlicher Symbole unddes christlichen Glaubens zu bewegen", und die Frage nach ihrer inneren Nothwendigkeit istein Angriff auf das Bestehende, ist ein Verbrechen.

Existirt irgendwo ein schlechtes Gesetz, oder sind die Gesetze überhaupt corrumpict,so wage es ja Niemand, dies zu untersuchen, denn die Gesetze sind bestehend und somit jederUntersuchung entrückt, sie wäre ein Angriff auf das Bestehende, dieses aber muß conser-virt werden. Frecher Tadel der Landesgesetze ist bekanntlich ein großes Verbrechen der Neu-zeit. Wird irgendwo die freie Mittheilung der Gedanken gehindert, so erkühne sich Nie-mand, diese Freiheitsbeschränkung in Frage zu stellen, denn sie gehört zum Bestehendenund das Bestehende ist absolut gültig.

Enthält eine Slaatsverfassung Bestimmungen, welche mit der menschlichen Freiheitunvereinbar sind, oder entbehrt ein Staat überhaupt gesetzlicher Garantien der Freiheit,so unterstehe sich ja Niemand, dies nicht in der Ordnung zu finden, denn dieser Mangel istein bestehender und somit absolut berechtigt.

Kurzum durch diese absolute Gültigkeit, durch diese Heiligkeit des Bestehenden, mages noch so schlecht, mag es auch gut sein, wird die menschliche Freiheit vollständig vernichtet