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Glarus.
zur Eidesleistung verpflichtet, nachdem der Landrath die frühere Erklärung der Lands-gemeinde vom 9. Juli 1837 wiederholt hatte, „daß er mit der Forderung der Eidesleistungder katholischen Priester Nichts zu begehren beabsichtige, was der katholischen Religion undden Rechten der Kirche entgegen wäre." Kam es seitdem zu keinem heftigeren Streitezwischen den beiden Eonfessionen, so versäumte doch die Alles beachtende Politik der ultra-montanen Partei keines ihrer gewöhnlichen Mittel, um den Hader von Neuem anzufachenund das Netz ihres verderblichen Einflusses über die friedlichen Thäler von Glarus aus-zuspinnen. Nicht nur wußte man den größeren Theil der glarner Katholiken zu einer Be-theiligung an den Petitionen für Herstellung der aufrührerischen Klöster des Aarqaus zubestimmen; sondern man flößte ihnen auch das Gelüste ein zur Berufung einer Jesuiten-mission aus dem benachbarten Schwyz nach der katholischen Gemeinde Näfels. DiesesVorhaben der Gemeinde veranlaßte einen Beschluß des Raths vom 20. Juli 1840, wor-nach zur Erhaltung von Ruhe und Eintracht im Lande und zur Fernhaltung von Allem,was das gegenseitige Vertrauen der Landleute beider Eonfessionen stören könne, die Zulas-sung von Missionären in Näfels verweigert wurde. Allein bald suchte die Jesuitenparteiihre Zwecke auf andere Weise durchzusetzen. An die beabsichtigte Errichtung einer Armen-anstalt in Näfels knüpfte man den Wunsch einer Berufung barmherziger Schwestern, dieso häufig die Afsiliirten der Gesellschaft Jesu sind und von dieser als weibliche Quartier-macher vorausgesendet werden, um dem weiteren Eindringen des Ordens die Wege zu be-reiten. Auch die Zulassung der barmherzigen Schwestern wurde vom Rathe fast einstim-mig verweigert. Dagegen hat die Gemeinde Näfels Protestation erhoben und noch ist dieFrage nicht definitiv entschieden; dock erwartet man, daß die Behörden von Glarus ihrePflicht erkennen und den gefährlichen Umgriffen des Jesuitenordens schon in den ersten An-fängen mit Festigkeit widerstehen werden.
Dient die. Geschichte des Eantons Glarus in den letzten Jahren zum Belege.dafür, daßsich die Erhaltung der Ruhe und Ordnung sehr wohl mit der ausgedehntesten demokra-tischen Freiheit verträgt, so zeigt sie doch zugleich, daß nur durch die freiesten politischenFormen jenen socialen Misständen nicht vorgebeugt wird, die aus der ungleichen Verthei-lung des Besitzes und Erwerbs mit Nothwendigkeit entspringen. Auch in den unfrucht-baren Thälern von Glarus hat sich die große Industrie angesiedelt und zumal im reformic-ten Theile des Eantons den Wohlstand im Ganzen beträchtlich erböht, aber zugleich dieSpaltung der Bevölkerung in eine verhältnißmäßig geringe Anzahl wohlhabender oderreicher Fabrikherrn und ,in eine Masse dürftiger, abhängiger und verkümmerter Arbeiterhervorgerufen. Auch dort sah man sich im Interesse der mit dem Auslande zu bestehendenEoncurrenz genölhigt, selbst die Hoffnungen auf die künftigen Geschlechter im Keime zuvernichten und den heillosen Misbräuchen einer übermäßigen Anstrengung der Kinder inden Fabriken schweigend zuzusehen. Als man endlich im Jahr 1845 den schlimmstenMisbräuchen wenigstens einige Schranken setzen wollte, war schon die Besorgniß vor einemEingriff in die Production und vor einer daraus entstehenden Nahrungslosigkeit so hoch ge-stiegen, daß nicht blos Fabrikherrn, sondern auch Fabrikarbeiter gegen jede Beschränkungder Arbeitszeit der Kinder auftraten, und daß die beabsichtigten wohllhätigen Reformenwenigstens in der Hauptsache erfolglos blieben- Aber freilich wird man am wenigsten voneinem kleinen und überall hin vom Auslande abhängigen Schweizercanton die ersten durch-greifenden Maßregeln für Verbesserung der gesellschaftlichen Verhältnisse erwarten dürfen.Ist vielleicht die Schweiz, nach der Natur ihrer demokratischen Einrichtungen und demsie belebenden Volksgeiste, vor andern europäischen Staaten dazu berufen, für manchesociale Reformen den Anstoß zu geben und die Einleitung zu treffen, so wird doch ihre Aus-führung im genügenden Umfange 'nur den in ihrer Plvduction und Eonsumtion selbst-ständiger dastehenden größeren Staaten anheim fallen. Um der bittersten augenblicklichenNoth zu steuern, haben aber seither im Canton Glarus die vorhandenen Mittel und dieWohlthätigkeit der Privaten ausgereicht. Erst in den letzten Jahren der Noth, der in-dustriellen und kommerziellen Krisen, während zugleich die Bevölkerung beträchtlich zu-nahm, hat man die unzulängliche Sorge des Staats für das Armenwesen lebhafter empfun-den und es sind in dieser Beziehung manche Klagen laut geworden. Ist aber dafür von