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6 (1847) [Gla - Hes]
Entstehung
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Glarus. 7

schen, russischen und österreichischen Schlachthaus«« verwüstet; Verwirrung und Elendund Armuth überall. Aber die Nothwendigkeit der Selbstrettung regte jede Geistesthätig-keit auf, stählte alle Kräfte, und der unter Napoleon's Bermittelungsact verjüngte Ge-meinsinn aller Schweizer wirkte endlich heilend und wohlkhuend auch auf dieses verödeteLand zurück-

Die ganze untere Gegend des Landes, wo der unbändige Linthström seit Jahrhun-derten mit dem fortgerissenen Felsschutte der Gebirge die Gewässer deS Wallensces aufge-staucht hatte, in den er sich stürzt, lag bis zum Züricher See in einen ungeheuren Sumpfverwandelt. Nur wenige Hütten standen noch da und hier am Fuße der Berge umher.Die giftigen Ausdünstungen der weiten Einöde erzeugten tödtliche Seuchen und Fieberund verbreiteten sie weit über die Nachbarschaften. Schon im 18. Jahrhunderte hatte derhochsinnige Rudolf Meyer von Aarau Regierungen und Völkerschaften der Schweiz,an die Entsumpfung dieser Gegenden gemahnt. Doch damals hörten nicht jene, nichtdiese seinen menschenfreundlichen Ruf. Im Jahre 1805 aber erneuerte ihnHansCon-rad Escher von Zürich, und die Schweizernation, jetzt eine erwachte, steuerte durchActien gegen anderthalb Millionen Franken zusammen, um das damals größte europäischeWerk der Wasserbaukunst zu unternehmen. Escher selbst, dem das dankbare Vaterlandnachher den Beinamenvon der Linth" ertheilte, leitete die Arbeiten. Sie begannen imJahre 1807; fünf Jahre später standen sie vollendet. Ein schiffbarer Canal mit 8 Schuhhohen Eindämmungen lenkt, in einer Streck« von mehr denn 19,000 Schuh, den wildenBergstrom vom Dorfe Mollis zum Wallensee; und ein anderer leitet ihn, in einer Längevon 52,000 Schuh, dem Züricher See zu. Der weite Thalgrund ward trocken, die Lustvon verpestenden Dünsten rein und ein Flächenraum von mehr denn 20,000 Morgen Lan-des für den Anbau erobert. Inmitten der neu angrünenden Landschaft erhob sich zu aller-erst «ine Erziehungsanstalt für die dem Bettel entrissenen Kinder der ärmsten Familien vomCanton Glarus, also, daß mit der physischen Entsumpfung die sittliche verbunden ward.In dieser kleinen Colonie, welche durch Freigebigkeit der Schweizer zugleich einen Grund-besitz von mehr denn 100,000 Klaftern Landes zur Anpflanzung empfing, wurden seitdemalljährlich vierzig arme Knaben erzogen, unterrichtet und zur Landwirthschaft und mancher-lei Handwerk, Kunst und Gewerbe gebildet.

Es schien nach jenen Revolutionsstürmen ein neues Leben durch die Thäler vonGlaruS zu ziehen. Man wagte selbst einzelne Verbesserungen im Organismus der oberenBehörden und im Justizwesen; übergab die bisher nur in Handschrift vorhandenen altenGesetzsammlungen dem öffentlichen Drucke, daß alles Volk sie kennen lerne; gründeteeine allgemeine Bcandversicherungsanstalt des Cantons; bauete Landstraßen und Schul-häuser; veredelte zweckmäßig den Volksuntercicht; stiftete gemeinnützige Vereine, Hilfs-gesellschaften, Bibliotheken, Lesezirkel u. s. w. Neben Alpenwirthschaft, Viehzucht,Acker- und Gartenbau wetteiferten nun Papier-, Jndienne- und Tuchfabriken, mecha-nische Baumwollenspinnereien, Färbereien, Druckereien, Manufacturen und Handels-verkehr aller Art, höheren Wohlstand durch die Thäler zu verbreiten. Mehrere Dörfersehen jetzt freundlichen Städten ähnlich; der Flecken Glarus selbst hat sein Casino, seineBuchhandlung, Buchdrucker«!, eigene Zeitung, Naturaliensammlungen u. s. w. DasStachelberger Heilbad im Hintergründe des Linththals weicht, in Anmuth derUmgegenden, in Zierlichkeit der Gebäude und bequemem Sein der Gäste, keinem der be-rühmteren in der Schweiz.

Diese Fortschritte des Völkchens in Civilisation und Industrie, worin es unter allenrein demokratischen oder Landesgemeindencantonen der Schweiz blos mildem protestanti-schen Theile Appenzells verglichen werden kann, sind aber im Ganzen bis jetzt nur Sacheund Werk des evangelisch-reformirten Theiles der Einwohner- Die katholischeBevölkerung, welche sich in neuerer Zeit dem Bisthum« Chur provisorisch angeschlossenhatte, steht in Rücksicht der Geistesbildung, des Gewerbefleißes und Wohlstandes auf-fallend zurück. Die Menge der Feiertage, Kirchenbesuche, Prccessionen, Umgänge undWallfahrten, welche anhaltende Arbeitsamkeit stören oder von ihr entwöhnen; die Ver-nachlässigung des Schulwesens; der Widerwille oder die Gleichgültigkeit der Geistlichkeit,