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6 (1847) [Gla - Hes]
Entstehung
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6 Glarus.

bei Miethstruppen bekleideten, welche die Schweizer fremden Königen zuzuführen pflegten,die auf Schlachtfeldern ihr eigenes Volk schonen, oder im Frieden gegen dasselbe ihrenThron bewacht sehen wollten. Einzelne Familien und deren Söhne waren es, die alsVögte ihr Gut in den umerthänigen Landvögteien vermehrten, über welche Glarus, seitfrüheren Eroberungskriegen der Schweizer, Mitherrschaft genossen hatte, wie imThurgau,Rheinthal, in Sargans, Utznach und Gaster, Baden, in den Freiamkern und einigenThälern der italienischen Schweiz. Die übrigen minder »ermöglichen Landleute begnügtensich mit den Geldern, welche die Bewerber um jene Stellen spenden und welche unter allenStimmfähigen vcrtheilt werden mußten. Man bestimmte nehmlich bei Besetzung derStaats- oder der Tagwenämter, der Landvogtei- oder Ofsicierst.llcn die Kaufsumme vor-aus, die gezahlt werden sollte und ließ dann unter den Bewerbern das blinde Loos entschei-den, wer eine Stelle zu gewinnen und zu bezahlen habe.

Der Boden des Gebietes in dieser kleinen Republik ist rauh und steinig, mehr zumWiesen- als Ackerbau geeignet; daher zur Viehzucht einladend, welche von der Fruchtbar-keit der Alpen begünstigt wird. Kaum die Hälfte des Landes, welches wenig über 12 Ge-viertmeilen umfängt, ist bewohnbar; alles klebrige hohes Felsgebirge, ewiger Schnee, vonWaldströmen zerrissener und vom Geröll und Steinschutte verderbter Grund. Daher undweil der Landmann in seiner Unwissenheit die Felder, Wälder und Alpen nicht höher zu be-nutzen verstand, blieb die Volksmenge lange Zeit gering an Zahl. Noch gegen Ende des18. Jahrhunderts betrug sie kaum 22,000 Seelen; im Anfänge desselben kaum 15,000.

Die Kargheit der Natur gewährte auch dieser dürftigen Bevölkerung nicht Nahrungund Lebensbequemlichkeit immer zur Genüg«; ungerechnet, daß allgemeiner Miswachö,Getreidesperrungen, Kriegsläufe hier leichter denn irgendwo Theurung der Lebensmittelund Hungerjahre erzeugten. Acht- bis zehnmal ereignete sich allein im letzten Jahrhundertedieser traurige Fall. Daher waren Hausväter und Söhne vieler Familien gezwungen, aus-zuwandern und ihr Brod in fremden Landen zu suchen. Die Aermeren vertrugen Schie-fertafeln, grünen Schabziger, Holzwaaren von Ahorn, Taxus, Wachbolder, Nußbaumu. s- w. auf ihrem Rücken durch die Nachbarländer; Wohlhabendere trieben damit Handelim Großen. Dazu kam im 17. Jahrhunderte Verfertigung von Halbtüchern und Han-delsverkehr mit denselben inner und außer der Schweiz; endlich im Jahre 1714 Einfüh-rung der Baumwollenspinnerei für die Fabriken von Zürich.

Wie unerheblich solcheAngaben für sich selbst zu sein scheinen, so sehr verdienen sie, inder Entwickelungsgeschichte eines kleinen und armen, aber unabhängigen Gemeinwesenshervorgehoben zu werden. Denn die, welche um des Gewinnstes willen die Heimath ver-ließen, Europa durchwanderten, oder in auswärtigen Kriegsdiensten und Handelshäusernlebten, brachten in ihre rauhen Thälcr nicht nur das mühsam erworbene und ersparte Geld,sondern auch neue Erfahrungen, neue Kenntnisse und Ansichten, neue Gewerbszweige,Sinn für gemeinnützige Anstalten und bessereLebenstbeise zurück. Wer es vermochte, sandtevon da an seine Kinder in Bildungsanstalten anderer Eantone. Spinnereien, Manufak-turen und Handelsverkehr nahmen jetzt zu. Es erhoben sich Fabriken. Der Anbau desBodens ward seitdem mit größerer Einsicht und Sorgfalt betrieben und ausgedehnter. Wieder allmälig steigende Wohlstand, stieg die Bevölkerung, welche in den 28 Ortschaften desLandes laut amtlicher Zählung im Januar 1837 gegen 30,000 Seelen betrug.

Am Meisten hat aber zur Erregung lebendigeren Aufstrebens offenbar hier, wie in denmeisten übrigen Eantonen der Schweiz, jene gewaltsame Staatsumwälzung gewirkt,welche mit dem Einbrüche der französischen Heere in die Schweiz, im Jahre 1798, begannund erst nach sieben Jahren voller Unruhen, Kriege, Aufstände und Verheerungen durchNapoleon's weise Vermittelung beendigt ward. Sie erweckte nehmlich die Völkerschaf-ten deS gesammten Helvetiens aus trägem, mehrhundertjährigem Schlafe, in welchem sieneben dem Fortschreiten der benachbarten Nationen zurückgeblieben waren, ihrer höherenInteressen, ihrer Verwandtschaft unter einander, ja ihrer eigenen Freiheit vergessen hatten.Zwar auch Glarus, durch den allgemeinen Sturm aus den Fugen alter Einrichtungen undOrdnungen herau-geworfen, sah seine Thäler und Alpen dabei abwechselnd von französi-