278 Racen der Menschen.
male bestehen, so daß sie oft gleichsam von einer Farbe in die andere hinüber schwimmen— stets neue Anstände bei der Abtheilung; ein Verhältnis welches den Einen zur Auf-stellung einer ganzen Menge von Elassen veranlaßte, während der Andere mit dem nehm-lichen Rechte deren nur ganz wenige annehmen wollte, und wobei also die Erlangungeines entscheidenden Resultates um so weniger möglich war, als es eben bezüglich derNüancen der Hautfarben an einem bestimmt und unzweifelhaft trennenden Unterschei-dungsmerkmale gebricht, ein Jeder also mehr oder minder willkürlich seine Abthei-lungen bildet.
Daß sowohl die Größe der Menschen als die Beleibtheit oder Magerkeitderselben als Kennzeichen eines Racenunterschiedes nicht angenommen werdenkann, leuchtete unschwer ein, sobald man auf die zahllosen Verschiedenheiten blickte, diesich bei jedem Volksstamme, in jeder Gemeinde, ja sogar oft in einer und derselben Fa-milie ergeben. Auch die Farbe und Gestaltung des Haares ließ sich aus gleichem —wenn auch minder allgemein eintretendem — Grunde nicht als entscheidendes Krite-rium anwenden, um so weniger, als dieser Moment für sich allein offenbar zu wenigwichtig ist.
So kam man denn dahin, dieSchädel- und Gesichtsbildung zur Grund-lage desfallsiger Untersuchungen zu machen, um damit die Verschiedenheit der Hautfarbeund Haare inVerbindung zu bringen.
Blumenbach gebührt das Verdienst, in dieser Beziehung gleichsam die Bahngebrochen zN haben; und obwohl sich seine Classification in manchen Beziehungen vonWillkürlichkeiten nicht sreisprechen läßt, obwohl sein System ebenfalls noch einer vollkom-men genügenden eigentlich wissenschaftlichen Begründung ermangelt, so erweist es sichdoch der Thal nach in seinen Hauptzügen so treffend, daß ech ungeachtet jener nicht zu ver-kennenden Mängel, bei Weitem die allgemeinste Geltung erlangte, und daß wir jedenfallsbis heute eine in sich selbst besser begründete Classification nicht besitzen. Alles, was seitBlumenbach in dieser Beziehung geleistet wurde, können wir nur als Berichtigung seinesSystemes im Einzelnen, nicht als genügende Begründung eines neuen, das seinige über-treffenden, erkennen; und so nehmen denn auch wir dasselbe mit einigen Modisicationsnals Grundlage an.
Wenn man die vor Blumenbach's Zeit versuchten Classificationen überblickt, mußman erstaunen über die Vagheit oder selbst Nichtigkeit der angeblichen oder vermeintlichenGründe, aus welche man — mit einer einzigen Ausnahme — jene Systeme stützenwollte. Abgesehen von der totalen Willkürlichkeit, mit welcher Leibnitz zwei äußersteund zwei mittlere Ordnungen von Menschen (Lappländer und Neger, dann Ost- undWestbewohner, oder Mongolen und Europäer) aufzählte; abgesehen ferner von der ebenso großen Willkürlichkeit, nsit der Meine cs einen häßlichen und dunkelfarbigen (mon-golischen), und einen schönen weißen (kaukasischen) Stamm einander geqenüberstellteund dann jeden derselben wieder in Racen, jede Race in Varietäten und Spielarten ab-theilte und unterabtheilte, — finden wir (wie gesagt mit einereinzigen Ausnahme)entweder die Wohnplätze oder die Hautfarbe der Bewohner als Grundlage derClassificationen angenommen. So zählte Büffon folgende 6 Varietäten auf: 1.Lappländer oder Polarbewohner, 2. Tartaren (Mongolen), 3. Südasiaten, 4. Euro-päer, 5. Neger und 6- Amerikaner. Linne suchte die Hautfarbe und die Wohn-plätze der Menschen mit einander verbunden zu folgender Eintheilung zu benutzen: Ame-rikaner (rubi-i), Europäer (slbi), Asiaten (luriiii) und Afrikaner (mx-ri). — Kantleitete von den als Gattungsstamm angenommenen brünettfarbigen Weißen folgendeRacen ab: 1. hochblonde nördliche Europäer, deren Hautfarbe von feuchter Kälte her-rühren soll; 2. kupferrothe Amerikaner, als Folge von trockener Kälte; 3. schwarzeSenegambier, das Product feuchter Hitze, und 4. olivenfarbige Indianer, von trockenerHitze gefärbt! — Metzger und Hunter, welche beide die Hautfarbe als wesentlichesKriterien aufstellten, gelangten zu sehr verschiedenen Resultaten, indem der Erste 2(Weiße und Schwarze), der Letzte nicht weniger als 7 Hauptvarietäten danach aufzählt,nehmlich: 1. schwarze Menschen sAethiopier, Papuas), 2. halbschwarze Mauritanier