Moralische Religion6lehre. 99
werden könnte, wenn kein Gott wäre. Es ist uns nichtum das bloße Wissen zu thun. Denn wenn dieseLehre auf un sere Handlungen keinen Einfluß hätte,so würde sie uns viel gleichgültiger seyn.
3) Er wirkt wahre Ucberzeugung, weller vollständig ist, und blos aus allgemein zugegcbenenWahrheiten der Vernunft fließet. Wer das DaseynGottes laugnet, hat keinen einzigen Grund, um seinSystem nur wahrscheinlich zu machen; und hat dage-gen die stärksten Gründe der aufgeklärten Vernunftgegen sich. Wenn der Bösewicht auch keinen Gottglauben mag, so muß er ihn doch fürchten.
Der moralische Beweis wirket Ueberzeugung, nicht ausobjektiven, sondern subjektiven Gründen. Umdeswillen gebrauchen Manche den Ausdruck moralische»Grund statt moralischen Beweis.
§- ,I2Z.
Ausser dem moralischen Beweise können noch mancheandere Gründe, welchegbec nichtalle gleich stark sind, fürdie Lehre vom Daseyn GokteS angeführt werden.
1) Der a.lhgemeine Glaube der meistenVölker des Erdbodens an einen oder mehrere GötterWenn eine Lehre so allgemein unter den Menschen ver-breitet ist, so ist zu vermachen, daß Gründe pafür inder Vernunft zu finden seyn müssen.
§. 124.
2) Die Vernunft kann sich ein Wesen denken, wel-ches alle'mögliche Vollkommenheit, (Macht, Weis-heit u s. w.) in sich vereinigt, und im böchsten Gradebesitzt. Wir müssen das Daseyn eines solchen Wesens
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