Druckschrift 
2 (1817) Moral, Naturrecht, moralische Religionslehre
Entstehung
Seite
95
Einzelbild herunterladen
 

Moralische Religionslehre.

95

wie könnte das Sittengesctz aufunsem Willen alle Kraftauffern, wenn ihm nicht der Glaube an eine moralischeWeltregierung zu Hülfe käme?

§. ri7- ,

Wir müssen es als das Ziel aller unserer moralischenTbatigkeit anscde'n, daß wir, so viel an uns liegt,dieses Ideal der vollkommensten Welt wirklich machen.Nun können wir zwar durch Beobachtung des Sitten-gesetzes mit dazu behtragcns daß das erste Stück derbc-stenWelt, wenigstens in diesem Leben, zumTheilwirk-ljch werde, und nicht bloße Idee bleibe. Aber wennUnser«. Seele mit dem Tode aufdörtr zu seyn, so würdediese Vernunftforderung, daß wir stets in decTuaend zu-nehmen sollen, um uns der Vollkommenheit zu nähern,gar nicht erfüllt. In diesem Leben können wir nur einenSchritt auf dieser endlosen Bahn zur sittlichessVollkom-meuheit thun. Daher müssen wir an die Unsterblich-keit unserer Seele glauben, weil wir das Der-nunstgefctz erfüllen sollen^

§. Il8.

Wenn kein Gott wäre, der das Gute belohnte unddas Böse bestrafte, so könnte der Tugendhafte nie aüfdauerhaftes Glück hoffen, ec möchte auch noch so sehr imGuten zunehmcn. Das zweite Stück des vollständigenGuts, die Glückseligkeit, die nach dem sittlichen Werthevettheilk wird, kann durch keine cndlicheWesen wirklichgemacht werden. Nur sin unendliches Wesen, das diehöchste Kenntniß von allen Dingen, und also auch vondem ganzen sittlichen Werth oder Unwerth der endlichenWesen besitzt, das höchst weise und mächtig ist, um dirWelt nach seinem Witten einzurichlen und zu regieren,