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2 (1817) Moral, Naturrecht, moralische Religionslehre
Entstehung
Seite
89
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Moralische Religionslehre.

Sy

§> 106

Die leblosen Dinge, Erde,- Lust, Feuer. Sonne,Sterneac. haben kein Selbstbewußtsten: sie können nichtZweck an sich selbst sepn, sondern sind vorzüglich um derLebendigen Willen da. Eine Welk» worin blos unver-nünftige Thiere lebteli, wäre auch weit unvollkommnec,als eine, in welcher Thi-re und leblose Dingo vernünf-tigen Wesen untergeordnet sind, und von diesen zu man-cherlei Zwecken gebraucht werden. Die Thiere könnenzwar nach ihrer Art das Leben genießen, aber doch kei-nen vernünftigen Gebrauch davon machen. Dieseskann auf unserer Erde allein der Mensch.

§. ro>7.

Die vernünftigen Wesen aufdieserErde, die Men-schen, ^haben viele Vorzüge vor allen andern irdischen Ge-schöpfen. Schon 'ihr Körper und der Vau einzelnerGlieder verräth die Anlage derselben zu vielen Geschick-lichkeiten. Ihre Einbildungskraft, Gedächtniß, Witzund andere niedere Seelenkraste sind weit vollkommner,als sie irgend ein Thier besitzt. Die höher» Seelen-kräste, Verstand, Scharfsinn, Urthcilskrast, Vernunft,freier Wille, fehlen den Thicren gänzlich. Der Menschkann das Beste auswählen, die DingealsMittel zu seinenZwecken gebrauchen; er wird nicht durch Instinkt dazu ge-leitet, sondern ec handelt nach vernünftiger Prüfungund Ueberlegung. Diese Vorzüge der Menschen vor denübrigen Geschöpfen aufErden, erwecken den natürlichenGedanken, daß Wesen von höhern Vorzügen und Werth ^nicht um derer willen von geringerm Werthe da seyen,und daß die Welt hauptsächlich um der vernünftigenWesen willen erschaffen worden sey.