Druckschrift 
Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
Entstehung
Seite
385
Einzelbild herunterladen
 

385

Begründung setzt er voraus. Daher kann oder darf manvon «hi» die wissenschaftliche Gründlichkeit so wenig als ei-ne Bestimmtheit dieser Art verlangen. Will aber Jemanddiese Weise, die erbauliche oder praktische, in das Gebietder wissenschaftlichen Philosophie einführen, und da vomGlauben als dem Letzten (Complemcnt) wie dem Höchsten,obwohl zugleich im Tone der Wissenschaftlichkeit, sprechen:dann entstehet nothwendig, nach meinem Dafürhalten, eineVerkehrtheit; und was hinzukommt, wie z. B. dortdasfreudige Erstaunen", ist entweder bloß eine ästhetischeTirade oder eine Popularität, wenn auch eine ästhe-tisch - und scholastisch - maskirle, wie viel Talent und Kennt-nisse ein solcher Sprecher (oder Redner?) auch sonst be-sitzen mag. Moralische Floskeln haben ja, alsSchminke, von jeher auch dem Pfaffcnthume gedient, wah-rend ihm die wissenschaftliche Moral, der ethischeBegriffvonGrund aus erfaßtunddurchgeführt,so widerlich weil so gefährlich! war. Stehet nichtder ethische Grundbegriff, wie mit dem gesunden Menschen-verstände selbst in einem besondern inner» Verbände, soim schroffen Gegensätze mit den Lehren des Positivismuö,mit diesen Setzungen oderSatzungen"? Daher ist ihmauch die höhere Anthropologie oder Psychologie, diese Grund-lehre vom Menschen, ein Dorn im Auge, während Bcyde,die Psychologie und die Moralphilosophie, den Zwecken derKirche oder "Geistlichkeit sowohl als jenen deS Staates sovornehmlich zusag-n, zumal im bemerkten Gegensätze mit derVergötterung deö Menschen und bey der bestimmten Hin-weisung auf eine innere Verbindung der Moral mit derReligion.

Der Kritiker des Hermes gibt zugleich eine kritischeIleberstcht aller neuern, kleinern wie größer», Schriftenim Fache der Psychologie: und gewiß wollte er Nichts vondem, was nur in einiger Hinsicht bedeutend wäre, weglassenoder umgehen. Aber deS Verf. Lehrbuch der höheren See»lcnkunde ist nicht angeführt, noch sonst auf irgend eine Weiseberührt. Unbekannt konnte selbiges dem kritischen Referen-ten wohl nicht geblieben seyn, da so manche Recension da-von erschienen war. Selbst im Hermes hatte dasselbeweniqstens im Vorbeygehen, in der Recension einer andernpsychologischen Schrift eine rühmliche Auszeichnung erhalten.Auch bildete diese Nichtansührung Nichtanzeige im Her-mes eine Art von Kontrast mit dieser und jener Recensiondes Lehrbuches, besonders mit jener in denMedici Ni-schen Annalen" (Jahrgang 1822 H. 2.), wo ein vsr-

25