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„Poesie ist die tiefste, ist die höchste Philosophie"? — Re-det man zuvörderst und besonders von den „anthropologi-schen" oder „psychologischen Grundlagen" (in Bezug aufdie Philosophie); eine Nede, die auch zeither öfters vorge-kommen ist: so dürfte, mit gutem Grunde, selbst das ästhe-tische Gefühl unter denselben aufgeführt werden. Ist dochin einer neuen Pädagogik (von Sailer) die Schönheit deSGemüths, und in einer neuen Ethik (von FrieS) die Schön-heit der Seele -- Sittlichkeit aufgestellt werden. Also:Nur eine schöne Seele, nur ein wahrhaft schöner Geistkann philosophiren. Auch so kehret das nach Plato
zurück. Das ^ der Stoa, auf ihrer
besseren Seite, mag sich füglich anschließen. Und es kommtwieder seneö klassische Wort: „keliois re^na, ulllgutplii-losoplri rsAnanl, aut reZnsntes ^liilosoplluntur ; einWort, das freylich wie Unsinn oder lächerlich einem Jedenerklingen muß, welcher die Philosophie in ihrem tiefstenVerbände mit der ächten, höheren Kultur, mit der eigent-lichen Bildung der Menschheit nicht erfaßt hat! Und wiemuß dieser Ausspruch vollends demjenigen Vorkommen, wel-cher die Philosophie mit dem Systeme, und dann mit ir-gend einem Zeitgcbilde dieser Art, verwechselt, oder dasPhilosophische im Systematischen zuerst finden will?
Spricht man aber von „anthrop alogischen" oder„psychologischen Thatsachen als Grundlageoder Fundament", ja von einer „psychologi-schen Begründung der Philosophie" nnd selbst,zu diesem Zwecke, von einer kritischen Psychologie: so müs-sen wir, meines Erachtens, wohl unterscheiden, was da1) Sache der Pädagogik, und 2) Aufgabe der empirischenPsychologie ist. Und überdies ist Z) zu bedenken, daß jadie Psychologie, wiefern sie philosophische Wissenschaft heißtund ist, keine Begründerin der Philosophie heißen könne.Kämen auch ästhetische Floskeln oder Phrase» hinzu:sie höben nicht die Folgewidrigkeit. Und führte man
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