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Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
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Genie und Talent; das Kunstideal. — DerGeschm ack.

Was Platon (im „Ion") den Dichtern oder Dichter-lingen, die er bekämpft und dem Gelächter preisgibt, zu-schreibet, dieser „göttliche (?) Wahnsinn", diese „Begeiste-rung" (?) oder dieses Getriebensepn durch „einen Gott" ist,wie man sieht, himmelweit verschieden von der Begeisterungoder dem Enthusiasmus in unserem Sinne. Denn von demEinen ächten Geiste, wie solcher von dem Einen Göttlichenausgeht, und nicht ohne die menschliche Selbstthätigkeit ein-tritt, stammet ja der Letztere ab: Th. 2. Nro. I. 3. Selbstdas klassische Wort: „Lrt Deuz in nobis, gßitanto cslesci-mus illo", ist bloße Spielerey oder ein noch Schlimmeres,wenn jene Bedeutung schlechterdings nicht gelten soll. Die-selbe muß wenigstens vortreten, was auch sonst, z. B. beyder poetischen Begeisterung, noch hinzukommen oder nö-thig seyn mag.

Und was ist wohl das „Genie", das in der neuerenZeit so häufig erklungen, und wohl auch als ein Ueber-menschlicheS aufgetreten ist? Fürwahr, betrachtet man somanche Lobpreisungen des Genies und zwar nicht allein ausjener frühern Periode, die z. B. ASmus der WandsbeckerBote auf seine Art auözeichnete, sondern auch auö einerspäteren Zeit und zumal aus der neuesten Schule, wie daeine Rückwirkung gegen das „Moralische" vorging: so dürstedas Genie, von dem besagten Genius der Menschheit ganzloSgerißen, wohl an jenen sogenannten göttlichen Wahn-sinn erinnern. Diese Genialität wurde und wird besondersder „Subjektivität" schlechthin entgegengesetzt: als müßtejener Geist nicht im Menschen als Subjekte eintreten undStatt finden, wenn z. B. der Dichter nicht eine phantasti-sche Maschine seyn soll (so wenig als der Philosoph eineintellektuelle)! Und waS ist wohl die gepriesene „Objekti-vität", die man im Gegensätze mit jener aufführt, wäh-