Druckschrift 
Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
Entstehung
Seite
276
Einzelbild herunterladen
 

2?6

führt, und hinweiset auf einen innern Verband der Spra-che mit der Vernunft! — Die spielende Materialistik, dieauch in den Naturlauten, welche in der Thierwelt verkom-men, eine Sprache finden, ja den Thieren auch eine Spra-che im eigentlichen Sinne zuschreiben will, darf unS hierwohl nicht langer aushalten. —

WaS hier unS beschäftigen soll, ist das Verhältnißdes Wortes zur Sache, in Verbindung mit demSprachgebrauche, so wie insbesondere dieser der Macht deSMechanismus und hiemit der Physis unterworfen ist, wieaber daö höhere, psychische Princip auch darüber zu fiegenvermag.

Wir haben der Aussprüche, selbst der sprüchwörtlichcnAusdrücke, mehrere, welche auf den Primat der Sa-che Hinweisen, z. B-: s) „Der Buchstabe tödtet, der Geistmacht lebendig"; ein Ausspruch, der sich jedoch auf daSLeben und auf eine eigenthümliche Beschaffenheit deS erbau-lichen VortragS, nach einer besonder«, Aufgabe der Lehr-weiSheit, näher bezieht; K) „Kommen wir nur in der Sa-che überein, so mögen und sollen wir in den Worten wohlnachsichtig seyn" in verlrig simus ksciles ckurnmoclo in reconvenMmuz: — eine Maxiine, die nicht nur im Lebens-kreise, als ein Ruf der Menschlichkeit, sondern auch im Ge-gensätze mit jenem Dogmatismus, welcher den Besitz derWahrheit an seine Formeln schlechthin und ausschließendbinden möchte, wohl gültig ist*); und: c) „Der Geist istreiner als der Buchstabe, der Sinn besser als das Wort":ein Fall, welcher eben dort eintrifft, wo nicht der Ticssinn,aber wohl der Scharfsinn gebricht, wie dieser, ausgegan-gen von der logischen Kraft, durchgreifen, und so der Sa-che daS entsprechende Wort (dem Wesen die angemesseneForm) liefern soll. So ist die Grammatik sowohl alö dieLogik bestimmt zum Dienste der Metaphysik.

) Man vergl. das oben Gesagte. S. 1,8—l lg.