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Lehrbuch der höheren Seelenkunde; oder: psychische Anthropologie : eine Vorarbeit in Absicht auf die Hauptlehren vom Höchsten der Menschheit ; auch für Kirche und Staat
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sem Wechsel. Und was ist da jüngsthin selbst der „Ver-nunft" begegnet, — der Vernunft auf dem „philosophischen"Gebiete, nicht etwa auf dem „theologischen" allein nacheiner alten, bekannten Weise! (Mit Recht, wo eigentlich derVerstand, eine bloß dienstbare Kraft, unter jenem Wortegegolten hatte!)

So kann nicht allein die Leidenschaft, sondernauch der fromme, an sich wahrhaft schöne Eiferdie Denkkraft binden, sey auch dieselbe als Anlage und inihrer Ausbildung sonst ausgezeichnet. Ja selbst die Zu-neigung (pr-opensio amica), mit tiefer Achtung unddem Gefühle des Dankes verbunden, kann auf solcheArt sehr einschränkend wirken. Das ausgezeichnete Talentist, im gesetzten Falle, unläugbar da; aber es wird ebennicht gebraucht! Daher das Schwören auf des Meister-Worte (jursrs irr verba msAinri), — im besseren Falle;eine Erscheinung, die vielleicht nirgend so ausgezeichnet,wie bey den studierenden Anhängern des feinern, dogmati-strenden Mystikers, vorkommt! *) Und eben das Zwey-deutige oder Mißbrauchbare deS Verstandes, derDenkkraft als solcher, mag gar leicht zu dieser Einschrän-kung oder Hemmung ingeheim Mitwirken. Denn eben demzarter«, frommen Gemüthe schwebt dasselbe leicht als einAbschreckendes vor, zumal nachdem ein Positives, das vonAußen wie eine Besonderheit gegeben ward, mechanisch an-oder eingebildet, und so mit dem Gewissen selbst verwachsenist. (Abgesehen hier von dem Falle, wo eine Besonderheit,ein bloß Historisches mit der Selbstheit oder wohl gar mitder Selbstsucht verwächst!)

Dagegen also ist, — vorausgesetzt den ächten, göttli-chen Grund—das ,,^uäs sspore!" wohl gültig. Zu demTiefsinne muß sich der Scharfsinn gesellen. Dieser ist un-terscheidend, prüfend; und indem er auf solchem Grunde

') Sokrates od. üb. d. n. Gegens. z. Christ, u. Philos. S. 537-