nach, vor dem Zeitworte, der Accusativ aber nach dem Zeit-worte stehen muß. So wäre z. B. tadelhast die Inversion:„Die Meeresfluthen durchschnitten die Schiffe." Die zmey-deutige Dunkelheit könnte nur die natürliche Stellung desNominativs vor dem Zeitworte, und des Accusativs nach demZeitworte gehoben werden: „Die Schiffe durchschnitten dieMeeresfluthen."
Die Griechen nannten die Inversion, wenn sie als Fi-gur gebraucht wurde, Hyperbaton. Dem Longin verdankenwir einige treffliche Bemerkungen über dieses Verschönerungs-mittel der Rede *). „Diese Figur," sagt er, „ist der Heftigkeitdes Affects eigen, und ihr natürliches Kennzeichen. Denn dadie Zornigen, oder diejenigen, die etwas fürchten, oder die,welche aus Eifersucht oder sonst einer Ursache in eine heftigeGemütbsbewegung, dergleichen es unzählige gibt, gerakhensind, immer von Einem auf's Andere fallen, bald etwas ohneZusammenhang einwerfen, dann wieder aufs Erste kommen,und im Aufruhr ihrer Seele, worin sie, wie von einem un-beständigen Winde, schnell hin und her geworfen werden,Wotte, Gedanken, Zusammenhang, alles auf tausenderleyArt verändern: so ahmen die besten Schriftsteller diese natür-liche Erfahrung durch die Hyperbata nach. Und das ist ebender Triumph der Kunst, wenn sie Natur wird; und glücklichist die Natur, wenn ihr die Kunst unbemerkt zur Seitesteht!" —
Longin führt hierauf als Beyspiel eine Stelle aus Hero-dots Geschichte an, wo der Phozöer Dionysius sagt:
„Wir stehen am Rande des Abgrunds, ihr Ionier; wirmüssen frey bleiben oder Selaven werten, flüchtige Sclaven;wollt ihr nun euch ermannen, so wird euch zwar eine großeArbeit bevorstehen; aber das ist der einzige Weg, die Feindezu überwältigen."
*) Longin vom Erhabenen. 22. Cap. überseht von Schlosser.