Druckschrift 
2 (1824) Bibliothek der Humanitäts-Wissenschaften zur Selbstbildung für Jünglinge von reiferem Alter : philosophische Wissenschaften
Entstehung
Seite
227
Einzelbild herunterladen
 

Zeitenmesser! du Ordner der irdischen, himmüschen Dinae,Der in gewandten Kreisen das Jahr am Himmel herumführt.

Und durch geringe Beugung der Zeiten Wechsel vollendet.

Treibst den Favonius an, am frühen Morgen des Jahres,

Daß er die Erd' entschließ', und mit ihr wartende Keime.

Willig befolgt er sein Amt, und lockt mit wärmendem HaucheGlänzende Saaten hervor, und brütet schwellende Knospen.

Mit ihm zugleich erwachet das Reich der Schönheit und Liebe;Ihren goldenen Stuhl umtanzen die fröhlichen Stunden.

Feuriger dringst du den Äther hinan und schaffest den Sommer.Kaum verbergen uns noch die breiten Schatte» der UlmeVor dem brennenden Strahl: ec reift die goldenen Ähren,

Kochet süßer die Frucht der balsamduftenden Staude.

Langsam schreitet und trägt der schwerbelastete Herbst nach,Schüttet sein Füllhorn aus; es laben sich Menschen und Thiers.Fröhlicher lacht auf Hügeln, bekränzt vom luftigen Weinstock,Bacchus liebliche Frucht; sie weckt zu Gesängen und Reihen.Unter dem Tanz erschallet der Ruf dem Gotte des Weinbau's.

Auch den Winter besuchest du noch, und leihest ihm Leben,Wenn der glänzende Tag von Bergen und Höhen daherstrahlt.Überall die Natur, vom Leichengewande bedecket.

Ausruht unterm Gewand, und neues Leben bereitet.

Sonne, dein hoher Strahl herrscht ewig über dem Weltall,Und du rufest Geschlechter hervor, und siehst sie vergehen.

Von der Eos äußerstem Rand, bis an die Gestade;

Wo du die feurige Gluth im Abcndmeere versenkest.

Von dem brennenden Sand der Wüste, bis zu Lein Himmel,Der mit starrendem Eise die traurigen Fluren umsessekt.

Gibst du Allem Gedeihen und Lust und schmeichelndes Wohlseyn,Und es bethen die Völker dich an, und jauchzen dir Wonne!Ewiger Quell des Lichts, du nieversiegbarer! Mich auchHat dein Funken erweckt zur kurzen Dauer des Lebens,

Und du hast es beseelt mit mannigfaltigen Freuden;

Aber es wird vergehn, und du bleibest! Wechselnde ZeitenHauchen über das Rund, auf dem mein Wesen entstanden,Wieder neue Geburt, und neues Vergehen der Dinge.

Freue dich deines herrlichen Lichtes, o goldene Sonne!

Tritt aus Wolken hervor, und birg dich wieder in Wolken!

P 2