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Rücksicht wählt die Sculptur, so weit es nur immer die Schick-lichkeit zuläßc, das Nackte, noch mehr aber aus dem weiterenGrunde, weil auf den Umriffen, welche die Sculptur an derOberfläche der Gestalten bildet, die ganze Wirkung beruht.In so fern eine Bekleidung der Gestalten erfordert wird, mußdie Draperie, der Faltenwurf, so ausgeführt seyn, daß diekörperliche Form gleichsam durchblickt.
121.
Die erhabenen Gestalten der Sculptur müssen den Aus-druck einer höheren Ruhe, des höchsten Gleichgewichts derSeele, haben. Diese wird aber ausgedrückt durch das Gleichge-wicht aller äußeren Theile und Glieder. Dabey bleibt jedochdieser Kunst der Ausdruck der Leidenschaft und des Affectes un-benommen , nur muß die Leidenschaft oder der Affect durch dieGröße der Seele niedergehalten erscheinen.
122.
Die Werke der Sculptur werden dann die größte Schön-heit erreichen, wenn die Fülle der Idee in einer einzelnen Ge-stalt vereinigt, und in einen Mittelpunct gedrängt erscheint,und doch mit aller Lebendigkeit sich offenbart. Aus diesemGrunde, und auch schon wegen der beschränkten Gränzen die-ser Kunst sind größere Gruppen zur Behandlung der Sculpturgar nicht, und Handlungen nur dann geeignet, wenn sie we-nige Figuren erfordern, und es möglich machen, diese zu ei-nem Ganzen zu verbinden. Dagegen ist Darstellung des Co-loffalen der Sculptur ganz vorzüglich eigen, in so fern ihreGestalten, unabhängig vom Raume, von allen Seiten frey,auf ihrer eigenen Basis ruhend Lastehen, und eine Totalitätin sich selbst ausmachen.
12Z.
Die Sculptur bildet ihre Gestalten entweder ganz freyim Raume, oder angeheftet auf einer Fläche. Frey im Raume