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Von deutscher Republik
Entstehung
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und übrigens hat schon Goethe dies geläufige Argument mit der Be-merkung verworfen, das Phänomen sei durchaus in — nicht außerder Natur und Menschheit, denn es sei zu allen Zeiten und bei allenVölkern hervorgetreten und erkläre sich ästhetisch durch die Tatsache,daß, objektiv, das Männliche der reinere und schönere Ausdruck derIdee der Menschen sei. Sehr Ähnliches äußerte Schopenhauer ... Wasaber hier im Vorübergehen über den merkwürdigen Gegenstand vor-gebracht werden soll, zielt aufs Politische: auch diese Seite nämlichfehlt ihm nicht. Heißt es nicht, daß der Krieg mit seinen Erlebnissen• von Bluts- und Todeskameradschaft, der harten und ausschließlichenMännlichkeit seiner Lebensform und Atmosphäre das Reich diesesEros mächtig verstärkt habe? Die politische Einstellung seiner Gläu-bigen pflegt nationalistisch und kriegerisch zu sein, und man sagt,daß Beziehungen solcher Art den geheimen Kitt monarchistischerBünde bilden, ja, daß ein erotisch-politisches Pathos nach dem Mustergewisser antiker Freund-Liebschaften einzelnen terroristischen Aktendieser Tage zu Grunde gelegen habe. Nun, Harmodios und Aristo-geiton waren Demokraten; und von einer tieferen Gesetzmäßigkeitdessen, was heute Regel scheint, kann nicht die Rede sein. Dasmächtigste moderne Gegenbeispiel ist der Dichter der Calamus-Gesänge,Walt Whitman, der,

„Entschlossen, keine andern Lieder heute zu singen als die von

männlicher Freundschaft,

Sie auszusenden in dieses leibhaftige Leben,

Vorbild zu schaffen athletischer Liebe“,mit diesen Liedern, dieser leibhaftig-athletischen Liebe „den Kontinentunzertrennlich machen, göttlich magnetische Länder“ schaffen wollte,„unentzweibare Städte, die die Arme einander um den Nackenschlingen, — durch die Liebe von Kameraden durch die männlicheLiebe von Kameraden.“ Eros als Staatsmann, als Staatsschöpfer sogarist eine seit Alters vertraute Vorstellung, die noch in unseren Tagenaufs Neue geistreich propagiert worden; aber zu seiner Sache undParteiangelegenheit durchaus die monarchische Restauration machenzu wollen, ist im Grunde ein Unfug. Die Republik vielmehr ist seineSache, das heißt — die Einheit von Staat und Kultur, die wir so nennen,und, wenn auch kein Pazifist im Pflanzeriköstlersinn, ist er doch seinerNatur nach ein Gott des Friedens, welcher auch zwischen den Staaten„ohne Bauwerke, Regeln, Verwalter und ohne jeden Beweisgrund be-gründen will die Institution der innigen Liebe von Kameraden.“

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