und vielseitig genug sich verhalten kann, denn es ist der Mensch.
Und da Wilhelm zu weiteren Abenteuern und angelegentlichen For-schungen, zur Pädagogik, Soziologie, Politik fortgeführt wird: ist nicht *
auch zu diesen der „losere Zustand“, der ihm die Schönheit desMenschenleibes zur Evidenz brachte, die glückliche Vorstufe gewesen?
„O, ich sage,“ ruft Whitman am Ende seines anatomischen Liebesliedes,
„dies sind nicht die Teile und Gedichte des Leibes allein, sondernder Seele, — O nun sage ich, sie sind die Seele!“ Das ist Hellas, —wiedergeboren aus dem Geiste amerikanischer Demokratie. Goethe istdarin und das Beste, Zukünftigste, Erzieherischste, was in Nietzsche war,und die Tempelandacht des Novalis. „Zweifelt jemand ... daß der Leibvollauf so viel gilt wie die Seele? Und wäre der Leib nicht die Seele,was ist die Seele?“ Das ist das dritte Reich der religiösen Humanität,und Eros steht ihm vor — als König? nein, das wäre Mittelalter und„Rittergeist“; doch würde es Walt Whitman gefallen, wenn wir demjungen Gotte die Präsidentschaft dieses neuen Reiches übertrügen.
Ich will es wagen, in diesem Zusammenhänge, der ein politischerZusammenhang bleibt, mit aller gebotenen Behutsamkeit und Ehr-erbietung von dem besonderen Gefühlsbezirk zu reden, der beimeinen letzten Worten sichtbar geworden ist: ich meine jene Zone t
der Erotik, in der das allgültig geglaubte Gesetz der Geschlechts-polarität sich als ausgeschaltet, als hinfällig erweist, und in der wirGleiches mit Gleichem, reifere Männlichkeit mit aufschauender Jugend,in der sie einen Traum ihrer selbst vergöttern mag, oder junge Männ-lichkeit mit ihrem Ebcnbilde zu leidenschaftlicher Gemeinschaft ver-bunden sehen. Die Gesellschaft, die dies Wesen lange, ohne Wissen davon,aus ihrem Bewußtsein es verweisend oder es prüde perhorreszierend,in sich trug, beginnt allrx^ählich den Bann von Verruf und Verleug-nung, der auf der Erscheinung lag, zu lösen, sie mit größerer Ruheins Auge zu fassen und ihre Vieldeutigkeit menschlich zu erörtern.
Sie kann Entnervung, Entartung, Krankheit bedeuten, und man magzweifeln, ob in diesem Falle Disziplinierung oder humanitäreSchonung die rechte Art sein wird, ihr zu begegnen. Aber es ist un-möglich, grundsätzlich der Sphäre des Verfalles einen Gefühlskomplexzuzuweisen, der Heiligstes und kulturell Fruchtbarstes in sich schließenkann. Wer über die Natur und ihre Gesetze denkt wie Novalis,nämlich dafür hält, daß sie etwas zu Überwindendes seien, wird den f
Vorwurf der Un- und Widernatur von vornherein als trivial empfinden;