Manne nach, unwillig, ihn zu lassen, unersättlich in Liebesbekundungen.Wäre es aber so, könnte er von einem Volk, in dessen Wesenstiefeorganisch-unbewußt, und sein Gewissen doch unverleugbar bestimmend,große Kulturüberlieferungen lebendig sind, — könnte er, sage ich, vondiesem seinem Volke solchermaßen als Vater und Fürsprech emp-funden werden, wenn seine Popularität von völkisch enger, plumpaggressiver und humanitätloser Art wäre? So kann wirkliche undechte deutsche Popularität niemals sein. Was Europa auch sagenmöge: humanitas als Idee, Gefühl und sittlich-geistiges Regulativ, dasstille Bewußtsein, daß Staat nur „eine besondere Verbindung mehrererMenschen in dem großen Staate ist, den die Menschheit für sichselbst schon ausmacht“, um wieder ein bereites Wort des Dichterseinzusetzen, der, wie es scheint, bei dem, was ich heute zu sagenhabe, mein Eideshelfer sein soll, ist unserm Volke niemals abhandengekommen, und kein anderer hat die Werte des Nationellen und desUniversellen in Gewissenstiefen und Geisteshöhn bedachtvoller gegen-einander abgewogen.
Am geistreichsten geschah das in jener wundervollen Sphäre, derFriedrich von Hardenberg angehörte, und deren Kunstsinn für dasVölkisch-Pittoreske so stark war, daß er sich ins Human-Umfassendesteigerte, daß Nationalismus und Universalismus hier glücklich bei-einander wohnten. „Alles Nationale“, sagt Novalis, „alles Temporelle,Lokale, Individuelle läßt sich universalisiercn und so kanonisieren undallgemein machen. Christus ist ein so veredelter Landsmann.“ Under fährt fort: „Dieses individuelle Kolorit des Universellen ist seinromantisches Element. So ist jeder national und selbst derpersönliche Gott ein romantisiertes Universum. Die Persönlichkeit istdas romantische Element des Ich.“ — Hier herrscht Gerechtigkeit.Hier ist anerkannt, daß das Kanonisch-Universelle nicht windigeRationalisierung, sondern „Veredelung“ bedeutet; zugleich aber ist dasIndividuelle und Nationale als das romantische Persönlichkeitselementdes Universellen und damit als Lebenspoesie gekennzeichnet. Wasist das Höhere? Wer will es sagen. Möge die höhere und geistigereSphäre die „kanonische“ sein, so ist die der Persönlichkeit vielleichtdie innigere, vielleicht selbst die wirklichere. Sie ist zugleich seitJahrhunderten die kriegerische. Ja, die Sphäre des Bluts ist auch aufschreckliche Art die blutige Sphäre, — es gehört das, scheint es, zum„Kolorit“. Krieg ist Romantik. Niemand hat je das mystisch-poetischeElement geleugnet, das ihm innewohnt. Zu leugnen, daß er heute spott-
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