hausbackene Vorstellungen abzuwehren: human bereits im Punkteihrer historischen Ursprünge. Ich rede euch an, akademische Jugend,namentlich soweit ihr mit scharrender Unruhe meine Worte zubegleiten euch schon mehrmals bemüßigt fandet. Die letzte starkinternationalistische Befruchtung unserer Literatur ereignete sich inden achtziger und neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, alsIbsen, Zola und die großen Russen bei uns ihren Einzug hielten;sie fiel zusammen mit dem Durchbruch des Naturalismus, der Luft-erneuerung durch das jüngste Deutschland. Und welches ist dieDichterpersönlichkeit, die diese künstlerisch kosmopolitische Be-wegung zeitigte? Welche bleibende Gestalt ließ sie zurück? Nun, siebildete das deutscheste Angesicht, das Gerhart Hauptmanns, sieführte diesen Meister empor, der kraft echter Popularität heute zufürstlich repräsentativer Stellung aufgerückt ist, und in dem In- undAusland das geistige Haupt des nachkaiserlichen Reiches ehrt. Eslohnt, darüber nachzudenken. Es lohnt, das zu tun auch im FalleStefan Georges, aus dessen Frühzeit die Propheten Baudelaire und denfranzösischen Parnaß nicht wegstilisieren sollten, dessen Leben, Gestaltund Wirkung aber heute eine hoch und rein nationale Angelegenheitist. Wo irgend Größe waltet, da setzt das Physiognomisch-Nationalesich aller kosmopolitischen Hingabe ungeachtet unfehlbar durch, undunter uns Deutschen wenigstens scheint Grundgesetz, daß, wer sichverliert, sich bewahren wird, wer sich aber zu bewahren trachtet,sich verlieren, das heißt der Barbarei oder biederer Unbeträchtlichkeitanheimfallen wird. (Verbreitete Unruhe.)
Human, sage ich, und nicht roh oder hausbacken, ist dieses Mannesdichterische Deutschheit ihrer literarischen Geschichte nach. Human,setze ich hinzu, weder völkisch simpel noch völkisch ungeschlachtund randalierend, sondern liberal im menschlichsten Sinn, kultur-milde, würdig-friedfertig stellen sein Deutschtum, seine hohe Echtheit,seine Popularität sich überhaupt und durchaus unserer Verehrung dar.Wie hätte er freilich in Kriegsnot und -drang sich ihrer nicht schmerz-voll innig bewußt werden sollen! Er prahlte nicht mit Philanthropie.Er benahm sich nicht literatenhaft, ging nicht nach Zürich, um vondort aus sein Land und Volk pazifistisch zu begeifern. Mit Herzund Mund stand er zu Deutschland, tat es noch eben jetzt wieder,als es galt, Grenzgebiete des Reichs, deren Abtrennung die zweifel-hafte Weisheit der Sieger verfügt, in Trauer zu grüßen, — und ausdem Saal auf die Straße drängte die Menge dem hohen, väterlichen