schlechte Romantik, ekelhaft verhunzte Poesie ist, wäre Verstocktheit.Und um das Nationale nicht völlig in Verruf kommen, es nicht gänz-lich zum Fluche werden zu lassen, wird nötig sein, daß es, statt als In-begriff alles Kriegsgeistes und Geräufes, vielmehr, seiner künstlerischen undfast schwärmerischen Natur durchaus entsprechend, immer unbedingterals Gegenstand eines Friedenskultus verstanden werde. (Man scharrt.)
Jungmannschaft, — nicht diese Töne! Ich bin kein Pazifist, wedervon der geifernden noch von der öligen Observanz. Der Pazifismusals Weltanschauung, als seelisches Vegetariertum und bürgerlich-ratio-nale Glücksphilanthropie ist nicht meine Sache. Aber er war aucheines Goethe Sache nicht, oder wäre es nicht gewesen, und dennochwar er ein Mann des Friedens. Ich bin kein Goethe; aber ein wenig,irgendwie, von weither, bin ich, mit Adalbert Stifter zu reden, „vonseiner Familie“, und auch mein Teil ist der Friede, denn er ist dasReich der Kultur, der Kunst und des Gedankens, während im Kriegedie Roheit triumphiert . . . nicht sie allein, seid still, ich weiß es,aber wie der Mensch ist, wie es heute um unsere Welt steht, fastnur noch sie. Die Welt, die Völker sind alt und klug heute, dieepisch-heroische Lebensstufe liegt für jedes von ihnen weit dahinten,der Versuch, auf sie zurückzutreten, bedeutet wüste Auflehnung gegendas Gesetz der Zeit, eine seelische Unwahrheit, der Krieg ist Lüge,selbst seine Ergebnisse sind Lügen, er ist, wieviel Ehre der Einzelnein ihn hineinzutragen willens sein möge, selbst heute aller Ehre bloß,und darum stellt er dem Auge, das nicht sich selbst betrügt, alsTriumph aller brutalen und gemeinen, der Kultur und dem Gedankenerzfeindlich gesinnten Volkselemente, als eine Blutorgie von Egoismus,Verderbnis und Schlechtigkeit fast restlos sich dar.
Gesteht euch die Wahrheit, es ist so. Ich sage es nicht aus poli-tischer Bosheit, nicht, um diejenigen unter euch, die im Kriege waren,die ihr Blut vergossen und das Blut von Kameraden hinströmen sahen,in Erinnerungen zu kränken, die ihnen heilig sein müssen, heiligbleiben sollen. Ich bin kein Vernunft-Thersites, kein hämischerParteimensch, der sich in Machtwollust an der Schmach, der seelischenHeimatlosigkeit des Gegners weidet, dessen Ideale zuschanden wurden.Ich weiß, was das Blut ist, was der Tod, was Kameradschaft ist.Gebt zu, daß nie ein Laut jenes armseligen Gänsefüßchen-Hohnes aufdie „Große Zeit“ von meinen Lippen gegangen ist! Dieser Hohnkommt nicht aus geschändetem Gelühl, — es gab kein Gefühl zuschänden dort, wo er laut zu werden pflegt. Aber der männlichste
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