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Versuch über Schiller : [zum 150. Todestag des Dichters]
Entstehung
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Das ist führende Sprache, die Sprache eines Führenden,dem eine ganze Epoche Gefolgschaft leisten sollte, dieEpoche des Nationalismus. Es ist — die Sprache von gestern.Denn die Wellen der Geistesgeschichte kommen und gehen,und wir erleben es heute, wie das Schicksal das Neue ver-alten läßt und das vermeintlich Abgelebte wieder zum Ge-danken der Zeit beruft, es zu brennendster, vitalster Zeit-gemäßheit erneuert, ihm eine Notwendigkeit auf Lebenund Tod verleiht, wie es sie nie zuvor besaß. Wie steht esheute? Tief sinkt die nationale Idee, die Idee des »engernRaumes« ins Gestrige ab. Von ihr aus, jeder fühlt es, ist keinProblem, kein politisches, ökonomisches, geistiges mehr zulösen. Der universelle Aspekt ist die Forderung der Lebens-stunde und unseres geängstigten Herzens, und längst hatder Gedanke an die Ehre der Menschheit, das Wort Huma-nität, die weiteste Teilnehmung aufgehört, eine »schwacheVerhaltungsregel« zu sein, bei der »unsere Empfindungenverdunsten und hinwegschwinden«. Gerade dies umfas-sende Gefühl ist es, was not-, nur allzu nottut, und ohne daßdie Menschheit als Ganzes sich auf sich selbst, auf ihre Ehre,das Geheimnis ihrer Würde besinnt, ist sie nicht moralischnur, nein, physisch verloren.

Das letzte Halbjahrhundert sah eine Regression desMenschlichen, einen Kulturschwund der unheimlichsten Art,einen Verlust an Bildung, Anstand, Rechtsgefühl, Treu undGlauben, jeder einfachsten Zuverlässigkeit, der beängstigt.Zwei Weltkriege haben, Roheit und Raffgier züchtend, dasintellektuelle und moralische Niveau (die beiden gehörenzusammen) tief gesenkt und eine Zerrüttung gefördert, dieschlechte Gewähr bietet gegen den Sturz in einen dritten,der alles beenden würde. Wut und Angst, abergläubischer

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