Am Himmel ist geschäftige Bewegung,
Des Turmes Fahne jagt der Wind, schnell gehtDer Wolken Zug, die Mondessichel wankt,Und durch die Nacht zuckt ungewisse Helle.Kein Sternbild ist zu sehn —
So war die Nacht,
die Mainacht vor hundertfünfzig Jahren, als durch dieschlummernden, wie ausgestorbenen Gassen Weimars, vonder Esplanade, über den Markt und durch die Jakobsgassenach dem alten Kirchhof vor der St. Jakobskirche, Schillerssterbliche Hülle zu Grabe getragen wurde. Es gab keinschreckhaft mitternächtliches Läuten, das dumpf und schwerdie Trauertöne schwellt. Die Glocken schwiegen. Es schwiegdie Glocke seines das Menschenleben umspannenden Liedes,deren Trauerschläge einen Wanderer auf dem letzten Wegebegleiten. Nichts hörte man als die schleppenden Tritte derMänner, die dann und wann ihre Last, die Bahre, den billiggezimmerten Sarg darauf, niedersetzen zu Rast und Ab-lösung. Eigentlich hatten, nach alter Übung, bezahlte Hand-werker die Träger sein sollen. Die Schneiderinnung war ander Reihe gewesen für das Geschäft. Ein fühlsamer Mann,begeisterter Verehrer des Dichters von jungauf, war im letz-ten Augenblick dagegen eingeschritten, daß Unwissende esstumpf versahen. In aller Eile hatte CommissionssekretärSchwabe eine Gruppe von Personen geistigen Standes, Her-ren mit akademischen Titeln, Amtsadvokaten, auch einigenKünstlern, unter denen merkwürdigerweise das Theaternicht vertreten war, zum düsteren Liebesdienste zusammen-
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