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Ansprache im Goethejahr <<1949>> [neunzehnhundertneunundvierzig]
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den bibelübersetzenden Faustim Anfang war, als Verdeutschung des Logos? Ist das Schauendes Tragischen konservativer Defaitismus? Nur Geister, die nicht wollen, daß etwas geschehe,daß irgend etwas sich ändere, können behaupten, nie sei es dem Dichter ernst gewesen mitFaustshöchstem Augenblick, mit seinem Sozialwerk der Menschenbeglückung. Im Gegenteilhabe er nur zeigen wollen, daß es des Teufels ist, ein Irdisch-Partielles, das Soziale, Ökono-mische über sich zu stellen und so das Spirituelle im Menschen, das Metaphysische und Reli-giöse zu verleugnen.Die Bejahung des Sozialen, sagen sie,kann das Religiöse oder gar dasMetaphysische nicht ersetzen. Sie bestehen mit seltsamem Nachdruck auf dieser Selbstver-ständlichkeit in einem Augenblick, wo alles Ringen der Menschheit darum geht, sich auf einehöhere Stufe ihrer sozialen Reife zu erheben, wo alles darauf ankommt, die lebensgefährliche,katastrophengeladene Spannung auszugleichen, die sich hergestellt hat zwischen Wahrheit undWirklichkeit, zwischen dem geistig längst Erreichten und dem, was sich noch Wirklichkeit zunennen wagt, und wo in der Sorge um diesen Ausgleich von Religiosität, von Gehorsam gegenden Willen des Weltgeistes ganz sicher mehr ist, als in aller spirituellen Frömmelei.

Dem Dichter, dessen ganzes Alterswerk voll ist von sozialer Utopie und dessen Ideen undGesichte in den Wanderjahren so gut wie im Faust weit hinausgehen über das achtzehnte undneunzehnte Jahrhundert bis in unser eigenes Zeitalter, war es von Herzen ernst mit Faustsletztem Abenteuer und seinem höchsten Augenblick, diesemSolch ein Gewimmel möcht ichsehen, auch wenn er die Tragik der Tat durchschaute und die Erlösung seines Heilsuchers derLiebe und Gnade von oben vorbehielt. Nie hätte er sich dazu hergegeben, gegen ein Neues,das kommen wollte oder schon da war, überalterte und schon heuchlerisch gewordene Idealeauszuspielen, denn er wußte, daß sich die Welt beständig erneuert, und hat sich den Nameneines Konservativen, der nur das Bestehende bewahren wolle, schönstens verbeten, denn

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