Druckschrift 
Ansprache im Goethejahr <<1949>> [neunzehnhundertneunundvierzig]
Entstehung
Seite
3
Einzelbild herunterladen
 

MEINE DAMEN UND HERREN

jetzt heißt es, die richtigen Worte finden, die dieser ergreifenden Stunde einigermaßen gemäßsind. Worte des Dankes natürlich müssen es sein für alles, was mir in Weimar an Güte undEhre geboten wurde, und solche Worte eben, die dem Gebotenen gerecht werden, sind schwerzu finden.

Lassen Sie mich vor allem wiederholen, was ich öfters in privaten Gesprächen und auch inUnterhaltungen, die der Öffentlichkeit zugedacht waren, ausgesprochen habe: die Gründenämlich, die mich zu dem Besuch in Ihrer Stadt, in unserem Weimar bewogen haben.

Meine erste Wiederkehr nach Deutschland, mein Wiedersehen mit ihm, das mich so tief bewegt,gilt dem alten Vaterland als Ganzem, und ich hätte es als unschön, ja als eine Treulosigkeitempfunden, wenn ich auf dieser Reise mich um die deutsche Bevölkerung der sogenanntenOstzone (wenn man im Falle Weimars vonOsten sprechen darf) nicht bekümmert, sondernsie, sozusagen, links hätte liegenlassen. Ich hätte es als eine Unvollständigkeit meiner Deutsch-landfahrt empfunden, wenn ich nur eine der beiden geweihten Goethestätten, nur die Geburts-stadt des Helden besucht hätte und nicht auch die Stadt, in der er von jungen Jahren an seingewaltiges Leben verbracht hat.

Ich kann Ihnen nicht sagen, wie schmerzlich es mir war, als ich, vor nun mehr schon als einemJahrzehnt, jenen Goethe-Roman,Lotte in Weimar", zu schreiben begann und es mir durchdie unselige Lage der Dinge verwehrt war, hierher zu kommen und den Schauplatz meinesBuches und die Räume wiederzusehen, in denen Goethe lebte und dichtete und deren erneuter

3