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Ansprache im Goethejahr <<1949>> [neunzehnhundertneunundvierzig]
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Siegermächte, und ich verstehe nur zu wohl den patriotischen Gram, die bittere Ungeduld, ausder, laut oder leise, das WortFremdherrschaft bricht. Lassen wir es wahr sein, daß dieHerrschaft des Ungeistes, die zwölf Jahre lang über Deutschland lag, und aus der dies alleshervorging, schlimmere Fremdherrschaft war. Was nun ist, schmerzt und reizt und lastet dochschwer genug, und die Sehnsucht, es möchte enden, wäre keinem Volke auf Erden fremd. EinesTages muß und wird es enden. Mir aber, wie ich hier stehe, gilt es schon heute nicht. IchkennekeineZonen. Mein Besuch gilt Deutschland selbst, Deutschland als Ganzem, undkeinem Besatzungsgebiet. Wer sollte die Einheit Deutschlands gewährleisten und darstellen,wenn nicht ein unabhängiger Schriftsteller, dessen wahre Heimat, wie ich sagte, die freie, vonBesatzungen unberührte deutsche Sprache ist? Gewähren Sie, meine Zuhörer, dem Gast ausKalifornien diese Repräsentation und lassen Sie ihn den Augenblick unbekümmert vorweg-nehmen, den Goethes Faust seinen letzt-höchsten nennt: den Augenblick, wo der Mensch, woauch der Deutscheauf freiem Grund mit freiem Volke steht!

Zum Bußprediger fehlt mir alles und alles zum Propheten, der sich im Besitze der Wahrheitweiß, die Zukunft kennt, dem Leben predigend den Weg vorschreibt. Nichts eignet mir vondieser Anmaßung, und Wahrheit ist mir von interviewenden Journalisten nicht, noch von be-dürftiger Jugend abzufragen. Ich komme zu Ihnen als ein armer, leidender Mensch, der sich mitden Problemen dieser in Geburtswehen des Neuen, in Umwälzungen und qualvollen Anpas-sungsnöten liegenden Zeit herumschlägt, wie irgendeiner von Ihnen. Zu meinem verstorbenenSohn, einem Opfer dieser Krisenzeit, sagte ein großer französischer Freund, Andre Gide:Wannimmer junge Leute kommen, sich bei mir Rats zu holen, fühle ich mich so beschämend inkom-petent, so hilflos, so verlegen. Immer fragen sie mich, ob es einen Ausweg gibt aus der gegen-wärtigen Krisis, ob irgendeine Logik, ein Zweck, ein Sinn ist hinter dem Durcheinander. Aberwer bin ich, ihnen zu antworten? Ich weiß es ja selbst nicht.-Wenn der so sprechen konnte,

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