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Ansprache im Goethejahr <<1949>> [neunzehnhundertneunundvierzig]
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son, dies eben nur bemühte und gewiß von anderen übertroffene Werk. Die Erbitterung, mitder dieser Streit geführt wird von den Hassern, der Nachdruck, den Freunde in ihre Erwide-rung und Abwehr legen, wären sonst unerklärlich. Das ist nicht Literaturkritik mehr, es istder Zwist zwischen zwei Ideen von Deutschland, eine Auseinandersetzung, nur anläßlich mei-ner, über die geistige und moralische Zukunft dieses Landes. Wie sollte es mich nicht über allepersönliche Bescheidenheit hinaus ergreifen, wenn ein in Zürich studierender junger Deutschermir schreibt:Vergessen Sie nicht, bei allem, was Ihnen in Deutschland begegnen möge, daßauch in der jungen Generation - und hier vielleicht besonders - Kräfte am Werk sind, dieihre höchste Aufgabe darin sehen, den noch Abs.eitsstehenden die Binde eines engen Nationa-lismus und einer krankhaften Selbstbemitleidung von den Augen zu nehmen. Denn der Wegder Deutschen zu einem echten Europäertum ist mit der Gerechtigkeit und dem Verständnis,das man einmal in Deutschland Ihrer Person und Ihrem Werk widerfahren läßt, aufs engsteverknüpft.

Noch einmal: wie sollten solche Worte mich nicht erschüttern? Will es denn das Schicksal, daßunsere Existenz symbolisch wird, so haben wir uns diesem Schicksal zu stellen. Nun also, ich»teile mich, der Freundschaft, dem Haß. Den Freunden, um sie nicht im Stich zu lassen, denFeinden, um den Anschein zu meiden, als verbärge ich mich vor ihnen. Willkommen oder nicht,ich hätte es als einen Flecken in meinem Leben empfunden, wenn ich dem Genius Goethes nurauswärts gehuldigt und auch dabei Deutschland gemieden hätte.

Klar muß ich mir sein darüber, und bei jedem Schritt, den ich hier tue, springt es mir in dieAugen, daß die Umstände der Genesung Deutschlands, seinem Weg nach Europa weit eher ent-gegen sind, als daß sie sie begünstigen. Trümmer umgeben mich, welche die nationale Kata-strophe sinnfällig zurückgelassen, und ich finde das Land zerrissen und aufgeteilt in Zonen der

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