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Ansprache im Goethejahr <<1949>> [neunzehnhundertneunundvierzig]
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sprechen mußte - wer bin ich, daß ich es besser wissen sollte? Die Ratlosigkeit, wie dies allessich lösen, ordnen, setzen, wie es ins Gleiche kommen, politisch sozial, ökonomisch, allgemeingeistig, und zwar unter Vermeidung einer Katastrophe und Explosion, die an Greuelhaftigkeitjede Erfahrung weit überträfe und dabei gar nichts lösen würde: wie der Mensch wieder denSegen einer moralischen Autorität gewinnen, zu einem Glauben gelangen könne, der sich nichtals Not-Aberglaube und kümmerlicher Unterschlupf, als ein bloßes Versteck vor dem fordern-den Blick der Sphinx erwiese - diese Ratlosigkeit ist groß, und nur die Stumpfheit oder einzynisches Konjunkturrittertum, das jede Situation kaltblütig für seine persönlichen Zweckeauszubeuten weiß, leiden nicht unter ihr. Ich bekenne offen: Wenn nicht die Zuflucht der Phan-tasie wäre, wenn sie nicht wären, die immer wieder, nach jedem Fertigsein zu neuen Aben-teuern und erregenden Versuchen weiter lockenden, zu steigerndem Weitermachen verführen-den Spiele und Unterhaltungen des Fabulierens, der Gestaltung, der Kunst - ich wüßte nicht,wie zu leben, von Rat und guter Lehre für andere ganz zu schweigen.

Oft denke ich aber: Es hat mitdiesen sehr ernsten Scherzen (das ist ein Ausdruck, den Goethefür denFaust gebrauchte) - es hat mit der Kunst vielleicht eine glücklichere, hilfreichere,lebensdienlichere Bewandtnis als mit allem Ratwissen, Glauben und Lehren. Der dankbareLaie und Genießer des Kunstwerks braucht zu dessen Lob und Preis das Wortschön". Aberder Künstler, der Mann vom Bau, sagt gar nichtschön", er sagt:gut. Er bevorzugt diesWort, weil das fachlich Lebenswerte, das technisch Gekonnte sich besser und nüchterner darinausdrückt. Aber damit hat es nicht sein Bewenden. Tatsächlich schwebt alle Kunst in der Dop-peldeutigkeit dieses Wortesgut", in dem das Ästhetische und Moralische sich treffen, ver-mischen, ununterscheidbar werden, dessen Sinn übers bloß Ästhetische hinausreicht ins über-haupt Zustimmungswürdige und hinauf bis zur höchsten, gebietenden Idee der Vollendung.Vollendung - was für ein Gedanke I Der Kunst, dem Künstler steht er am nächsten. Immer

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