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2 (1901) Buddenbrooks : Verfall einer Familie ; Roman
Entstehung
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Schlafsucht beherrscht den Kranken, und oft versinkter, ohne wirklich zu schlafen, in eure bleierne Be-täubung. Dazwischen erfüllen seine Jrrreden, seinelauten, erregten Phantasieen das Zimmer. Seineschlaffe Hülflosigkeit hat sich bis zum Unreinlichenund Widerwärtigen gesteigert. Auch sind sein Zahn-fleisch, seine Zähne und seine Zunge mit einer schwärz-lichen Masse bedeckt, die den Atem verpestet. Mitaufgetriebenem Unterleibe liegt er regungslos ausdem Rücken. Er ist im Bette hinabgesunken undseine Kniee sind gespreizt. Alles an ihm arbeitethastig, jagend und oberflächlich, seine Atmung so-wohl, wie der Puls, der an hundertundzwanzigflüchtig zuckende Schläge in einer Minute vollsührt.Die Augenlider sind halb geschlossen, und die Wan-gen glühen nicht mehr wie zu Anfang rot vor Fieber-hitze, sondern haben eine bläuliche Färbung ange-nommen. Die linsengroßen, roten Flecke auf derBrust und dem Bauche haben sich vermehrt. TieTemperatur des Körpers erreicht einundvierzigGrad. . .

In der dritten Woche ist die Schwäche auf ihremGipfel. Die lauten Delirien sind verstummt, undniemand kann sagen, ob der Geist des Kranken inleere Nacht versunken ist, oder ob er, fremd undabgewandt dem Zustande des Leibes, in fernen,tiefen, stillen Träumen weilt, von denen kein Lautund kein Zeichen Kunde giebt. Der Körper liegtin grenzenloser Unempfindlichkeit. Dies ist derZeitpunkt der Entscheidung. . .

Mann, Buddenbrooks. II.

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